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Boulehalle Karben ist Ansporn für DPV
DPV plant Bundesleistungszentrum

Datum

01. April 2025

Autor

Frank J.

Zum Wochen­be­ginn über­rasch­te der DPV mit einer sei­ner raren Pres­se­mel­dun­gen – aber die­se Neu­ig­keit hat­te es wirk­lich in sich. Der Pétan­que-Bun­des­ver­band ver­öf­fent­lich­te einen Mas­ter­plan zum Auf­bau eines Bun­des­leis­tungs­zen­trums. Im Lau­fe von fünf Jah­ren will der Ver­band zir­ka 3,5 Mil­lio­nen Euro ein­neh­men. Die Mit­tel sol­len dazu ein­ge­setzt wer­den, eine Hal­le mit 32 Fel­dern, moder­ner Infra­struk­tur und zeit­ge­mä­ßem Video-Equip­ment für pro­fes­sio­nel­le Live-Über­tra­gun­gen zu bau­en. Der Beginn der Arbei­ten ist für das Jahr 2027 geplant.

„Die Idee lag schon län­ger in der Schub­la­de, jetzt ist der Zeit­punkt gekom­men um sie umzu­set­zen“, so wird DPV-Prä­si­dent Micha­el Dör­hö­fer in der Pres­se­mit­tei­lung zitiert. „Wir brau­chen ein Bun­des­leis­tungs­zen­trum, um uns wei­ter in der Welt­spit­ze zu etablieren.“

Wie aus gut infor­mier­ten Krei­sen zu ver­neh­men ist, war das Hal­len­pro­jekt in Kar­ben der Aus­lö­ser für den DPV, nun­mehr mit sei­nen Plä­nen an die Öffent­lich­keit zu gehen. In der hes­si­schen Klein­stadt hat­te der ört­li­che Ver­ein 1. PC Pet­ter­weil im letz­ten Jahr eine Bou­le­hal­le mit zehn Spiel­fel­dern eröff­net. Das ambi­tio­nier­te Ziel einer eige­nen Hal­le wur­de mit Kos­ten von weni­ger als 200.000 Euro verwirklicht.

Pétanque-Bundesleistungszentrum

Aus den Plä­nen des DPV: ein Pétanque-Bundesleistungszentrum

„Das hat den Ehr­geiz des DPV ange­sta­chelt“, so beleuch­tet ein DPV-Mit­ar­bei­ter, der nicht genannt wer­den will, den Hin­ter­grund der Mel­dung. „In Kar­ben hat­te der Ver­ein mit 130 Mit­glie­dern ein sol­ches Hal­len­pro­jekt gestemmt. Im DPV sind knapp 27.000 Spie­le­rin­nen orga­ni­siert. Die Fra­ge, war­um ein gro­ßer Bun­des­ver­band mit ganz ande­ren Mög­lich­kei­ten so etwas nicht hin­be­kommt, stand bei uns immer offen­sicht­li­cher im Raum.“

Zudem ist es ein offe­nes Geheim­nis, dass Prä­si­dent Dör­hö­fer mit sei­ner Visi­on, eine Pétan­que-Welt­meis­ter­schaft nach Deutsch­land zu holen, kei­nen gro­ßen Rück­halt im Ver­band hat. „Für ein ein­ma­li­ges Event viel Geld zu ver­bren­nen, anstatt es nach­hal­tig in die Ent­wick­lung unse­res Sports zu inves­tie­ren, das hat­ten wir als Ver­band ja schon 1996 bei der WM in Essen prak­ti­ziert,“ so meint der DPV-Insi­der, der auf Quel­len­schutz bestand. „Wir wis­sen heu­te natür­lich, dass das damals ein Feh­ler war. Das sechs­stel­li­ge Defi­zit muss­ten nach der WM letzt­lich alle im DPV orga­ni­sier­ten Spie­ler bezahlen.“

Wenn die im DPV orga­ni­sier­ten Ver­eins­mit­glie­der sowie­so die Zeche beglei­chen müs­sen, man aber von einer Aus­rich­tung der WM Abstand nimmt, dann könn­te man die Spie­ler ja auch gleich pro-aktiv zur Kas­se bit­ten, so dach­te wohl der DPV-Vor­stand. Aller­dings sind zur Finan­zie­rung eben­so wie zur geplan­ten Lage der Sport­stät­te offi­zi­ell vor­erst nur weni­ge Details zu erfahren.

Doch die Dimen­si­on des Pro­jekts wird deut­lich, wenn man Hart­mut Lohß’ Aus­füh­run­gen folgt. Der Vize­prä­si­dent Finan­zen im Bun­des­ver­band führt in der Pres­se­mit­tei­lung aus: „Wir den­ken über einen Zusatz­bei­trag pro Spie­ler von 24 Euro pro Jahr nach. So kämen pro Jahr zir­ka 650.000 Euro zusam­men, auf­grund des Mit­glie­der­zu­wach­ses mit stei­gen­der Ten­denz. Bei dem vor­aus­sicht­li­chen Bau­be­ginn im Jahr 2027 hät­ten wir damit bereits weit mehr als eine Mil­li­on Euro zur Ver­fü­gung – För­der­gel­der sind da noch nicht mal berück­sich­tigt. Jedes wei­te­re Jahr könn­ten wir den Etat um deut­lich mehr als eine hal­be Mil­li­on Euro auf­sto­cken. Zudem käme das Pro­jekt ohne Kre­di­te aus, so dass in kur­zer Zeit ein ech­ter Wert für die deut­sche Pétan­que-Sze­ne ent­ste­hen wird“, so meint der Finanz­fach­mann des DPV.

Auf Nach­fra­ge beim Vize­prä­si­dent Inne­res des DPV, Karl-Josef Flühr, äußer­te die­ser, dass es an der Zeit sei, das Image unse­res Sports end­lich ernst­haft zu ver­bes­sern. „Immer wie­der fra­gen mich Bekann­te, was die eher zufäl­lig hin­ge­kul­ler­ten Boules der Rent­ner im Park mit Sport zu tun hät­ten und wozu sie dabei Spül­tü­cher bräuch­ten“, so Flühr.

„Mit unse­rem Mas­ter­plan wer­den wir die sport­li­che Vari­an­te for­cie­ren, also das Pétan­que – wie es ja auch in unse­rer Sat­zung ein­deu­tig gefor­dert wird. Mit einem Bun­des­leis­tungs­zen­trum und tol­len Über­tra­gun­gen von Wett­be­wer­ben wer­den wir in der Lage sein, auch jun­gen Men­schen ein ganz ande­res Bild unse­rer fas­zi­nie­ren­den Sport­art zu vermitteln.

Zudem wer­den wir mit geziel­tem Trai­ning das sport­li­che Niveau anhe­ben. Unser bis­he­ri­ges Kon­zept war ja, dass wir die Pétan­que-Gemein­de vor jedem gro­ßen inter­na­tio­na­len Tur­nier ein­dring­lich gebe­ten haben, die Dau­men zu drü­cken. Unse­re sport­li­che Lei­tung hat nun das Prä­si­di­um infor­miert, dass das ent­ge­gen allen Erwar­tun­gen nicht erfolg­reich war.“

Nicht ganz unum­strit­ten dürf­ten die Äuße­run­gen des DPV im Rah­men der Pres­se­mit­tei­lung sein, die den immer noch nicht erreich­ten olym­pi­schen Sta­tus des Pétan­que betref­fen. Prä­si­dent Dör­hö­fer äußert sich dazu ins­be­son­de­re zur Sport­art Cur­ling: „Wenn ich beden­ke, dass in Deutsch­land gera­de mal 750 Men­schen cur­len, der Cur­ling-Ver­band aber bereits seit 2006 ein Bun­des­leis­tungs­zen­trum betreibt, dann sehe ich eine bedenk­li­che Dis­kre­panz zu unse­rem Ver­band, der für mehr als 35 mal so vie­le Sport­ler Ver­ant­wor­tung trägt. In der Rand­sport­art Cur­ling gibt es seit 1998 olym­pi­sche Wett­be­wer­be. Ist denn die Benut­zung von Besen statt Spül­tü­chern bes­ser für eine olym­pi­sche Prä­senz?“, so fragt Dör­hö­fer in der Pres­se­mit­tei­lung sei­nes Verbands.

Die­se recht ten­den­ziö­se Pas­sa­ge erweck­te bei man­chen den Ver­dacht, dass das eigent­lich für Pres­se­ar­beit zustän­di­ge Kom­mu­ni­ka­ti­ons-Team die Pres­se­mit­tei­lung nicht gegen­ge­le­sen hat und so die inhalt­lich rich­ti­ge, aber doch selt­sam anmu­ten­de Äuße­rung zum Cur­ling durch­rut­schen konn­te. Das wäre wenig ver­wun­der­lich, denn Pres­se­mit­tei­lun­gen gab es beim DPV seit Jah­ren nicht mehr. Es ist nicht aus­zu­schlie­ßen, dass die heu­ti­ge Kom­mu­ni­ka­ti­ons­ab­tei­lung des Ver­bands gar nicht mehr weiß, was genau eine Pres­se­mit­tei­lung ist.

Ande­re Exper­ten bezwei­fel­ten gar den grund­sätz­li­chen Wahr­heits­ge­halt der Mel­dung und stuf­ten sie als Fake News ein. Ein Ken­ner der Sze­ne aus dem hohen Nor­den brach­te den Sach­ver­halt tro­cken auf den Punkt: „Pres­se­mit­tei­lung und DPV? Das wäre so wie Kar­frei­tag und ers­ter April an einem gemein­sa­men Dienstag.“

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