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Nachbetrachtung zum Dörhöfer-Interview
Der Präsident
von Frank J.
veröffentlicht am 13. September 2025

veröffentlicht am

13. September 2025

Autor

Frank J.

Er hat dann doch geplau­dert, mehr als erwar­tet. Viel­leicht mehr, als er ursprüng­lich woll­te. Das Inter­view mit Micha­el Dör­hö­fer stand unter der Prä­mis­se: Kei­ne Inter­na, kei­ne Details über Per­so­nen. So lau­te­ten sei­ne Vor­ga­ben, als er mir das Inter­view vor­schlug. Fra­gen zu ihm selbst waren erwünscht.

Wer hin­hört, kann aus dem Inter­view sicher eine Men­ge über die Per­son Dör­hö­fer erfah­ren, auch wenn sie eben nicht im Mit­tel­punkt ste­hen soll­te. Es soll­te viel­mehr um die Öffent­lich­keits­ar­beit des DPV gehen – und dabei um ihn nur inso­weit, wie sein Anteil dar­an, sei­ne Ver­ant­wor­tung dafür war. Das klapp­te nicht immer. Mein Fehler.

Hart am The­ma zu blei­ben fiel Micha­el Dör­hö­fer aber manch­mal ersicht­lich schwer. Erkenn­bar war da ein Ego, das sich in einem Kon­flikt befand: Auf der einen Sei­te soll­te das Bild eines erfolg­rei­chen Machers ver­mit­telt wer­den. Auf der ande­ren – und das war ihm bewusst – ste­hen seit Jah­ren beschei­de­ne Ergeb­nis­se in der Öffent­lich­keits­ar­beit des Verbands.

Der Prä­si­dent lie­fer­te eine Mischung aus Selbst­dar­stel­lung eines sehr beschäf­ti­gen Man­nes (60 bis 70 Stun­den-Job, DPV-Prä­si­dent, Mit­glied im Exe­cu­ti­ve Com­mit­te des inter­na­tio­na­len Ver­bands F.I.P.J.P.), Atta­cke („Nör­geln und selbst nichts hin­krie­gen“) und einer Bas­ta-Men­ta­li­tät („Dann ist das so.“) ab. Manch­mal woll­te er ein­fach nur Zwei­fel streu­en („Du gibst Dich ja sehr gut infor­miert!“), an ande­rer Stel­le waren Aus­weich­be­we­gun­gen erkenn­bar (Haf­tung mit Pri­vat­ver­mö­gen). Wir ken­nen die­se Art der Dar­stel­lung von man­chen, ja, von zu vie­len Poli­ti­ke­rIn­nen. Mich stellt es nicht zufrie­den, wenn unser Ver­bands­chef das imitiert.

Ob es für den DPV gut ist, einen Mann an der Spit­ze zu haben, der sei­ne Über­las­tung durch Beruf und Ämter öffent­lich vor sich her trägt? Ob es für die Fähig­kei­ten des Prä­si­den­ten spricht, sich zudem noch zusätz­lich auch noch ins Board des inter­na­tio­na­len Ver­bands F.I.P.J.P. wäh­len zu las­sen, wenn er sei­ne enor­me Arbeits­be­las­tung ins Spiel bringt?

Schwer nach­zu­voll­zie­hen auch, wenn nicht gar unglaub­wür­dig ist es, wenn Micha­el Dör­hö­fer auf der einen Sei­te in Bezug auf Hein Fuhr­mann erzählt, dass das Ver­trau­en nicht da sei, der Ver­band dem einst geschass­ten Mit­ar­bei­ter aber ande­rer­seits die Mög­lich­keit gibt, in sei­nem Auf­trag vom Euro Cup zu über­tra­gen. Ja, was denn nun? Fiel dem Prä­si­den­ten die­ser Wider­spruch nicht auf?

Ein ziem­lich absur­der Moment im Inter­view war es, als der Prä­si­dent nach Mit­leid heisch­te, weil er ja mit sei­nem Pri­vat­ver­mö­gen haf­te. Dabei zeig­te sich, dass er durch­aus wuss­te, dass die­ser Fall ledig­lich in Fäl­len gro­ber Fahr­läs­sig­keit oder Vor­satz zutrifft und im Fal­le einer ord­nungs­ge­mä­ßen Amts­füh­rung nicht denk­bar ist.

Ernüch­ternd wir­ken die so gar nicht prä­si­dia­len Aus­füh­run­gen zu mei­nem Nick­na­me bei Face­book (Frank Oje). Schwa­dro­nier­te er nicht Minu­ten vor­her inten­siv über mei­nen angeb­lich feh­len­den Respekt gegen­über der Arbeit der DPV-Ehren­amt­li­chen – um dann kur­ze Zeit spä­ter zuzu­ge­ben, dass er sich über einen Nick­na­me lus­tig gemacht habe? Ja, tat­säch­lich. Dabei ist ihm wohl nicht mal ansatz­wei­se in den Sinn gekom­men, dass „Oje“ als Nach­na­me exis­tiert. Respekt, Herr Präsident!

Gegen Ende des Inter­views wur­de deut­lich, dass der DPV beim The­ma „Bun­des­trai­ner“ auf ziem­lich abschüs­si­ges Ter­rain gera­ten könn­te. Nach mei­nem Emp­fin­den hät­te das fast zum Abbruch des Gesprächs geführt: „Stopp, stopp, stopp, stopp, stopp!“, mein­te der Prä­si­dent ener­gisch. Die­se Not­brem­se zeigt, wie sen­si­bel das The­ma ist. Wohl zu Recht, denn schließ­lich gab es wäh­rend sei­ner Ägi­de eine bemer­kens­wer­te Fluk­tua­ti­on an Trai­ne­rIn­nen und Kader­spie­le­rIn­nen. Man­che wur­den gefeu­ert, ande­re gin­gen gefrus­tet von selbst.

Der „Son­nen­kö­nig“ hat gespro­chen. Dafür muss ich dank­bar sein. Hat er mich über­zeugt? Nein, abso­lut nicht. Was er inhalt­lich zu bie­ten hat­te, war dünn. Das lag auch am von ihm wie üblich ange­stimm­ten Kla­ge­lied des Ehren­amts. Ger­ne wird es benutzt, um unzu­rei­chen­de Arbeit zu recht­fer­ti­gen. Wenn zu offen­sicht­li­chen Män­geln der Ver­bands­ar­beit nichts Ernst­haf­tes vor­ge­bracht wer­den kann, dann wird das The­ma eben auf die schwe­re Bür­de des Ehren­amts gebracht.

Wann wird im DPV die Erkennt­nis ein­keh­ren, dass ein Ehren­amt zu beklei­den kei­ne Recht­fer­ti­gung ist, unzu­rei­chen­de Arbeit abzu­lie­fern oder gutzuheißen?

„Das ist eine klei­ne Fir­ma, die hier gelei­tet wird“, mein­te Micha­el Dör­hö­fer, der Chef die­ser „Fir­ma“. Fol­ge ich ihm bei die­sem Gedan­ken, dann muss ich fest­hal­ten, dass er nicht den Ein­druck ver­mit­teln konn­te, die­se Rol­le über­zeu­gend aus­zu­fül­len. Wenn aber die Auf­sichts­rats­mit­glie­der der „Fir­ma“ – also die Lan­des­ver­bän­de – die­sen Chef immer wie­der bestä­ti­gen, dann wird schon alles sei­ne Rich­tig­keit haben.

Das Interview 

Das Inter­view steht als Video und in Text­form zur Ver­fü­gung. Bei­des ist auf der Haupt­sei­te zum Dör­hö­fer-Inter­view zu finden:

Dörhöfer-Interview: Video und Text

Nachgelegt 

Der eine oder ande­re im Inter­view ange­spro­che­ne Punkt ist es Wert, sepa­rat betrach­tet zu wer­den. Schau­en wir also genau­er hin:

Der Präsident

Die Haf­tung

Grund zur Sor­ge? Der Prä­si­dent sieht sein Pri­vat­ver­ö­gen durch sei­ne Ver­bands­ar­beit in Gefahr.

Hein Fuhrmann

Hein Fuhr­mann

Wur­de er nun gefeu­ert oder nicht? Der DPV hat dazu einen zwei­fel­haf­ten Standpunkt.

DPV-Trainer: nüchtern

Trai­ner­af­fai­re

Das The­ma wur­de vom Prä­si­den­ten fast panisch abge­würgt. Wor­um wäre es dabei gegangen?

Müll? Datenmüll!

Müll!

Was ist dran am Vor­wurf, dass die Arbeit Ehren­amt­li­cher als „Müll“ bezeich­net wurde?

Franks Pétanque

Wird fort­ge­setzt

Die Nach­be­trach­tun­gen wer­den fort­ge­setzt: Es gibt wei­te­re Punk­te, die zu beleuch­ten sind.

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