Er hat dann doch geplaudert, mehr als erwartet. Vielleicht mehr, als er ursprünglich wollte. Das Interview mit Michael Dörhöfer stand unter der Prämisse: Keine Interna, keine Details über Personen. So lauteten seine Vorgaben, als er mir das Interview vorschlug. Fragen zu ihm selbst waren erwünscht.
Wer hinhört, kann aus dem Interview sicher eine Menge über die Person Dörhöfer erfahren, auch wenn sie eben nicht im Mittelpunkt stehen sollte. Es sollte vielmehr um die Öffentlichkeitsarbeit des DPV gehen – und dabei um ihn nur insoweit, wie sein Anteil daran, seine Verantwortung dafür war. Das klappte nicht immer. Mein Fehler.
Hart am Thema zu bleiben fiel Michael Dörhöfer aber manchmal ersichtlich schwer. Erkennbar war da ein Ego, das sich in einem Konflikt befand: Auf der einen Seite sollte das Bild eines erfolgreichen Machers vermittelt werden. Auf der anderen – und das war ihm bewusst – stehen seit Jahren bescheidene Ergebnisse in der Öffentlichkeitsarbeit des Verbands.
Der Präsident lieferte eine Mischung aus Selbstdarstellung eines sehr beschäftigen Mannes (60 bis 70 Stunden-Job, DPV-Präsident, Mitglied im Executive Committe des internationalen Verbands F.I.P.J.P.), Attacke („Nörgeln und selbst nichts hinkriegen“) und einer Basta-Mentalität („Dann ist das so.“) ab. Manchmal wollte er einfach nur Zweifel streuen („Du gibst Dich ja sehr gut informiert!“), an anderer Stelle waren Ausweichbewegungen erkennbar (Haftung mit Privatvermögen). Wir kennen diese Art der Darstellung von manchen, ja, von zu vielen PolitikerInnen. Mich stellt es nicht zufrieden, wenn unser Verbandschef das imitiert.
Ob es für den DPV gut ist, einen Mann an der Spitze zu haben, der seine Überlastung durch Beruf und Ämter öffentlich vor sich her trägt? Ob es für die Fähigkeiten des Präsidenten spricht, sich zudem noch zusätzlich auch noch ins Board des internationalen Verbands F.I.P.J.P. wählen zu lassen, wenn er seine enorme Arbeitsbelastung ins Spiel bringt?
Schwer nachzuvollziehen auch, wenn nicht gar unglaubwürdig ist es, wenn Michael Dörhöfer auf der einen Seite in Bezug auf Hein Fuhrmann erzählt, dass das Vertrauen nicht da sei, der Verband dem einst geschassten Mitarbeiter aber andererseits die Möglichkeit gibt, in seinem Auftrag vom Euro Cup zu übertragen. Ja, was denn nun? Fiel dem Präsidenten dieser Widerspruch nicht auf?
Ein ziemlich absurder Moment im Interview war es, als der Präsident nach Mitleid heischte, weil er ja mit seinem Privatvermögen hafte. Dabei zeigte sich, dass er durchaus wusste, dass dieser Fall lediglich in Fällen grober Fahrlässigkeit oder Vorsatz zutrifft und im Falle einer ordnungsgemäßen Amtsführung nicht denkbar ist.
Ernüchternd wirken die so gar nicht präsidialen Ausführungen zu meinem Nickname bei Facebook (Frank Oje). Schwadronierte er nicht Minuten vorher intensiv über meinen angeblich fehlenden Respekt gegenüber der Arbeit der DPV-Ehrenamtlichen – um dann kurze Zeit später zuzugeben, dass er sich über einen Nickname lustig gemacht habe? Ja, tatsächlich. Dabei ist ihm wohl nicht mal ansatzweise in den Sinn gekommen, dass „Oje“ als Nachname existiert. Respekt, Herr Präsident!
Gegen Ende des Interviews wurde deutlich, dass der DPV beim Thema „Bundestrainer“ auf ziemlich abschüssiges Terrain geraten könnte. Nach meinem Empfinden hätte das fast zum Abbruch des Gesprächs geführt: „Stopp, stopp, stopp, stopp, stopp!“, meinte der Präsident energisch. Diese Notbremse zeigt, wie sensibel das Thema ist. Wohl zu Recht, denn schließlich gab es während seiner Ägide eine bemerkenswerte Fluktuation an TrainerInnen und KaderspielerInnen. Manche wurden gefeuert, andere gingen gefrustet von selbst.
Der „Sonnenkönig“ hat gesprochen. Dafür muss ich dankbar sein. Hat er mich überzeugt? Nein, absolut nicht. Was er inhaltlich zu bieten hatte, war dünn. Das lag auch am von ihm wie üblich angestimmten Klagelied des Ehrenamts. Gerne wird es benutzt, um unzureichende Arbeit zu rechtfertigen. Wenn zu offensichtlichen Mängeln der Verbandsarbeit nichts Ernsthaftes vorgebracht werden kann, dann wird das Thema eben auf die schwere Bürde des Ehrenamts gebracht.
Wann wird im DPV die Erkenntnis einkehren, dass ein Ehrenamt zu bekleiden keine Rechtfertigung ist, unzureichende Arbeit abzuliefern oder gutzuheißen?
„Das ist eine kleine Firma, die hier geleitet wird“, meinte Michael Dörhöfer, der Chef dieser „Firma“. Folge ich ihm bei diesem Gedanken, dann muss ich festhalten, dass er nicht den Eindruck vermitteln konnte, diese Rolle überzeugend auszufüllen. Wenn aber die Aufsichtsratsmitglieder der „Firma“ – also die Landesverbände – diesen Chef immer wieder bestätigen, dann wird schon alles seine Richtigkeit haben.
Das Interview
Das Interview steht als Video und in Textform zur Verfügung. Beides ist auf der Hauptseite zum Dörhöfer-Interview zu finden:
Nachgelegt
Der eine oder andere im Interview angesprochene Punkt ist es Wert, separat betrachtet zu werden. Schauen wir also genauer hin:

Die Haftung
Grund zur Sorge? Der Präsident sieht sein Privatverögen durch seine Verbandsarbeit in Gefahr.

Hein Fuhrmann
Wurde er nun gefeuert oder nicht? Der DPV hat dazu einen zweifelhaften Standpunkt.

Traineraffaire
Das Thema wurde vom Präsidenten fast panisch abgewürgt. Worum wäre es dabei gegangen?

Müll!
Was ist dran am Vorwurf, dass die Arbeit Ehrenamtlicher als „Müll“ bezeichnet wurde?

Wird fortgesetzt
Die Nachbetrachtungen werden fortgesetzt: Es gibt weitere Punkte, die zu beleuchten sind.

