Was wollte uns Michael Dörhöfer damit sagen, als er feststellte: „Ich hafte mit meinem Privatvermögen.“ Seine Äußerung fiel im Zusammenhang mit Hein Fuhrmann: Dieser habe sich nicht im Sinne des DPV verhalten – wodurch ein Risiko für den Verband bestanden habe. War das nun mitleidheischendes Kalkül oder erstaunliche Unkenntnis des Präsidenten?
Hoffen wir, dass seine Aussage lediglich eine vermeintlich geschickte Nebelkerze war, mit der er ein wenig punkten wollte. Sollte Michael Dörhöfer seine Aussage allerdings ernst gemeint haben, dann zeigt das eine erschreckende Unkenntnis in einer rechtlichen Situation, mit der sich ein hoher Vereinsfunktionär auskennen muss.
Um den Fall kurz und knapp abzuhandeln: Vorstandsmitglieder haften persönlich, wenn sie sich etwas zu Schulden haben kommen lassen. Diese Verfehlungen müssen zudem auch noch entweder grob fahrlässig oder vorsätzlich gewesen sein. Hoffen wir, dass so ein Fall nicht eingetreten ist.
Nein, ich gehe davon aus, dass Michael Dörhöfer nicht grob fahrlässig oder vorsätzlich Schaden für den Verband angerichtet hat, sondern dass er die Geschäfte des Verbands gut führt. Somit wird es auch keinen Anlass geben, der eine persönliche Haftung des Präsidenten begründet.
Trotzdem brachte er seine persönliche Haftung ins Spiel, als in dem Interview gerade Hein Fuhrmann das Thema war. Selbstverständlich war das kein Zufall, sondern es stand eine Absicht dahinter.
Das ruft bei mir zwei Reaktionen hervor: Zum einen ist es befremdlich, denn der „Jackenvorfall“ von Dijon ist nun wirklich nichts, was zu einer persönlichen Haftung des Präsidenten des DPV hätte führen können. Hein Fuhrmann war als Privatperson in Dijon. Inwieweit er vor Ort medial tätig war, ist mir nicht bekannt.
Aber selbst, wenn er bewusst unter falscher Flagge und gegenüber Dritten als DPV-Vertreter aufgetreten sein sollte – was im übrigen niemand behauptet – dann wäre ein Haftungsgrund für den Verband oder gar seines Vorstands aufgrund „verletzter Bildrechte“ durch Hein Fuhrmann, wie Michael Dörhöfer suggeriert, nicht zu begründen. Aus so einem angenommenen (!) Vorfall gar eine private Haftung des Präsidenten abzuleiten, ist ein abenteuerlicher Gedanke.
Zum anderen kann ich mir nicht erklären, wie ein Verbandschef, der eine persönliche Haftung befürchtet, weil ein nicht mehr für den Verband tätiger Reporter irgendwas gemacht haben soll, diesen Reporter auf den Euro Cup schickt. Hat man nun Vertrauen oder nicht? Fürchtet der Präsident um sein Privatvermögen oder nicht? Was er uns hier auftischt, ist eher eine Räuberpistole als eine gute Argumentation.
Zudem: Wie schnell Michael Dörhöfer in dem Interview auf meine Nachfragen zurückrudert, spricht für sich. Nehmen wir also zu seinen Gunsten an, dass er schlicht nicht wusste, was er in Bezug auf seine persönliche Haftung zum Besten gegeben hatte.
Die von ihm im Interview versprochenen „Unterlagen, die zu unterschreiben sind, für die Übertragung in Frankreich“ und aus denen sich Haftungsgründe ergeben sollen, sind übrigens trotz wiederholter Nachfrage bisher nicht bei mir angekommen.
Das Interview
Das Interview steht als Video und in Textform zur Verfügung. Beides ist auf der Hauptseite zum Dörhöfer-Interview zu finden:
Nachgelegt
Der eine oder andere im Interview angesprochene Punkt ist es Wert, separat betrachtet zu werden. Schauen wir also genauer hin:

Der Präsident
Es sollte nicht um ihn gehen. Michael Dörhöfer erzählte trotzdem über sich. Aufschlußreich!

Hein Fuhrmann
Wurde er nun gefeuert oder nicht? Der DPV hat dazu einen zweifelhaften Standpunkt.

Traineraffaire
Das Thema wurde vom Präsidenten fast panisch abgewürgt. Worum wäre es dabei gegangen?

Müll!
Was ist dran am Vorwurf, dass die Arbeit Ehrenamtlicher als „Müll“ bezeichnet wurde?

Wird fortgesetzt
Die Nachbetrachtungen werden fortgesetzt: Es gibt weitere Punkte, die zu beleuchten sind.

