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Auf der Suche nach Bouleplätzen
Gudhjem, Bornholm
von Frank J.
veröffentlicht am 13. April 2026

veröffentlicht am

13. April 2026

Autor

Frank J.

Die Wahr­neh­mung der Welt ver­än­dert sich, wenn man Pétan­que spielt. Eine Fra­ge wie „Sieht das da drü­ben nicht wie ein Boule­platz aus?“ wäre mir ohne mei­nen Hang zum Kugel­wer­fen nie in den Sinn gekom­men. Jetzt ist sie Teil mei­ner Reisen.

Tat­säch­lich war es ein Bou­lo­dro­me: Vier Plät­ze, von dicken Tau­en begrenzt, Spiel­stands­an­zei­ger – und ein Blick auf das stahl­blaue Meer. Viel kann man nicht her­aus­fin­den über den Aars­da­le Petan­que Klub auf Born­holm. Immer­hin: Das Schild an der schmu­cken Hüt­te, die in typi­schem Schwe­den­rot gestri­chen ist, ließ kei­nen Zwei­fel dar­an, dass die­ses Gelän­de nicht zum Trock­nen von Fisch ver­wen­det wird.

Der Dansk Petan­que For­bund (DPF)1 führt den Klub nicht in sei­ner Lis­te. Auf Born­holm gibt es nur drei Ver­ei­ne, die dem Ver­band ange­hö­ren. Sie befin­den sich in Røn­ne, Nexø und Aakir­ke­by.2 Alle ande­ren Ver­ei­ne auf Born­holm sind anders organisiert.

Pétanque auf Bornholm: Der Platz in Aarsdale

Nie­mand spiel­te jedoch auf dem Gelän­de des Års­da­le Petan­que­klub, wie er an ande­rer Stel­le auch geschrie­ben wird.3 Mit einer Par­tie gegen Born­hol­me­rIn­nen wur­de es dort also nichts. Auch auf dem wun­der­schön gele­ge­nen Platz am Hafen von Lis­ted, den wir spä­ter noch ent­de­cken soll­ten, sahen wir nie Spieler­Innen. Die Neu­gier war aber geweckt: Offen­bar gibt es auf Born­holm eine Pétan­que-Sze­ne. Wäre es nicht toll, wenn an unse­rem Wohn­ort Gudhjem …?

Pétanque auf Bornholm: Der Platz in Aarsdale

Gud­hjem

Also hielt ich die Augen offen. Wenig spä­ter ent­deck­te ich in „unse­rer“ beschau­li­chen Klein­stadt eine Flä­che, die ver­däch­tig nach einem Boule­platz aus­sah. Die bei­den hin­ter­ein­an­der lie­gen­den Fel­der befan­den sich recht zen­tral im Ort, weni­ge Schrit­te von Hafen ent­fernt, waren aber leicht zu über­se­hen. Die Dou­blet­te-Part­ne­rin und ich beschlos­sen, am nächs­ten Tag auf dem kur­zen Weg über die Klip­pen am Meer ent­lang unse­re Kugeln mit­zu­neh­men und eine Par­tie zu spielen.

Gudhjem, Bornholm: verschlafene Straßenszene

Was für ein herr­li­ches Ambi­en­te! Es war ein strah­len­der Hoch­som­mer­tag, einer der Boule­plät­ze lag im Schat­ten von Bäu­men. Die klei­ne Bri­se war ange­nehm, der Blick wun­der­bar. Bald schon sprach uns ein Mann an, ob wir einen Wurf­kreis und eine Spiel­stands­an­zei­ge haben woll­ten. Die sei­en im Haus auf der ande­ren Sei­te der Stra­ße und könn­ten ganz schnell orga­ni­siert wer­den. Wir kamen ins Gespräch und wur­den ein­ge­la­den, am nächs­ten Tag mitzuspielen.

Gudhjem, Bornholm: der Bouleplatz

Es war schon ein Erleb­nis, mit der Grup­pe eher älte­rer, meist knor­ri­ger Ker­le zusam­men das Born­hol­mer Pétan­que ken­nen­zu­ler­nen. Es wur­de recht unor­tho­dox gespielt, lie­ber gelegt als geschos­sen. Die Män­ner – Gud­hje­mer Frau­en nah­men nicht teil – hat­ten ersicht­lich Spaß. Wir wur­den zum nächs­ten Treff erneut eingeladen.

Ziem­lich sicher wird kei­ne aktu­el­le Spie­le­rIn des Klubs Gud­hjem Petan­que einen däni­schen Meis­te­rIn­nen­ti­tel im Pétan­que errin­gen – ob nun mit oder ohne Accent. Dar­auf kam und kommt es den dor­ti­gen Akti­ven aber wohl auch nicht an. Man spielt trotz­dem in einer Insel­li­ga – und wenn ich die kugel­wer­fen­den Hau­de­gen rich­tig ver­stan­den habe, dann rech­ne­te man sich am nächs­ten Spiel­tag in Aakir­ke­by durch­aus Chan­cen aus.

Pétanque auf Bornholm: Der Platz in Gudhjem

Kom så, kug­ler!4

Impres­sio­nen

Die Fotos ent­stan­den im August 2025 auf dem Boule­platz in Gud­hjem auf Born­holm. Mein Dank geht an die gedul­di­gen und ver­ständ­nis­vol­len Boulis­ten von Gud­hjem Petan­que.


  1. Web­site: https://petanque.dk/; Nein, der Prä­si­dent heißt nicht Dør­hø­fer, son­dern John Saxild-Han­sen. 
  2. Auf der Web­site des Däni­schen Ver­bands gibt es eine Kar­te der 62 Ver­ei­ne. 
  3. Mei­ne Dänisch­kennt­nis­se sind ähn­lich aus­ge­prägt wie mei­ne Fähig­keit, zwei­mal hin­ter­ein­an­der ein Retro auf Ansa­ge zu schie­ßen. Des­halb habe ich nach­ge­schaut und wur­de auf der Web­site Land der Dänen fün­dig: Dort wird auch das däni­sche Alpha­bet erklärt. Danach gibt es die Schreib­wei­se „Å“ erst seit 1948, die mit „Aa“ wur­de davor ver­wen­det. Bei Namen fin­det die alte Ver­si­on heu­te immer noch Ver­wen­dung – nach­zu­le­sen auf landderdaenen.de. War­um aber Petan­que­klub mal zusam­men und mal aus­ein­an­der geschrie­ben wird, das bleibt für mich eben­so ein Geheim­nis wie der regel­mäßg feh­len­de Accent, wenn Dänen das Wort Pétan­que schrei­ben. Däni­sche Tas­ta­tu­ren haben die Akzen­te durch­aus im Ange­bot. 
  4. Laut irgend­ei­ner künst­li­chen Intel­li­genz soll das die däni­sche Über­set­zung von „Allez les boules!“ sein. 
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