Die Wahrnehmung der Welt verändert sich, wenn man Pétanque spielt. Eine Frage wie „Sieht das da drüben nicht wie ein Bouleplatz aus?“ wäre mir ohne meinen Hang zum Kugelwerfen nie in den Sinn gekommen. Jetzt ist sie Teil meiner Reisen.
Tatsächlich war es ein Boulodrome: Vier Plätze, von dicken Tauen begrenzt, Spielstandsanzeiger – und ein Blick auf das stahlblaue Meer. Viel kann man nicht herausfinden über den Aarsdale Petanque Klub auf Bornholm. Immerhin: Das Schild an der schmucken Hütte, die in typischem Schwedenrot gestrichen ist, ließ keinen Zweifel daran, dass dieses Gelände nicht zum Trocknen von Fisch verwendet wird.
Der Dansk Petanque Forbund (DPF)1 führt den Klub nicht in seiner Liste. Auf Bornholm gibt es nur drei Vereine, die dem Verband angehören. Sie befinden sich in Rønne, Nexø und Aakirkeby.2 Alle anderen Vereine auf Bornholm sind anders organisiert.
Niemand spielte jedoch auf dem Gelände des Årsdale Petanqueklub, wie er an anderer Stelle auch geschrieben wird.3 Mit einer Partie gegen BornholmerInnen wurde es dort also nichts. Auch auf dem wunderschön gelegenen Platz am Hafen von Listed, den wir später noch entdecken sollten, sahen wir nie SpielerInnen. Die Neugier war aber geweckt: Offenbar gibt es auf Bornholm eine Pétanque-Szene. Wäre es nicht toll, wenn an unserem Wohnort Gudhjem …?
Gudhjem
Also hielt ich die Augen offen. Wenig später entdeckte ich in „unserer“ beschaulichen Kleinstadt eine Fläche, die verdächtig nach einem Bouleplatz aussah. Die beiden hintereinander liegenden Felder befanden sich recht zentral im Ort, wenige Schritte von Hafen entfernt, waren aber leicht zu übersehen. Die Doublette-Partnerin und ich beschlossen, am nächsten Tag auf dem kurzen Weg über die Klippen am Meer entlang unsere Kugeln mitzunehmen und eine Partie zu spielen.
Was für ein herrliches Ambiente! Es war ein strahlender Hochsommertag, einer der Bouleplätze lag im Schatten von Bäumen. Die kleine Brise war angenehm, der Blick wunderbar. Bald schon sprach uns ein Mann an, ob wir einen Wurfkreis und eine Spielstandsanzeige haben wollten. Die seien im Haus auf der anderen Seite der Straße und könnten ganz schnell organisiert werden. Wir kamen ins Gespräch und wurden eingeladen, am nächsten Tag mitzuspielen.
Es war schon ein Erlebnis, mit der Gruppe eher älterer, meist knorriger Kerle zusammen das Bornholmer Pétanque kennenzulernen. Es wurde recht unorthodox gespielt, lieber gelegt als geschossen. Die Männer – Gudhjemer Frauen nahmen nicht teil – hatten ersichtlich Spaß. Wir wurden zum nächsten Treff erneut eingeladen.
Ziemlich sicher wird keine aktuelle SpielerIn des Klubs Gudhjem Petanque einen dänischen MeisterInnentitel im Pétanque erringen – ob nun mit oder ohne Accent. Darauf kam und kommt es den dortigen Aktiven aber wohl auch nicht an. Man spielt trotzdem in einer Inselliga – und wenn ich die kugelwerfenden Haudegen richtig verstanden habe, dann rechnete man sich am nächsten Spieltag in Aakirkeby durchaus Chancen aus.
Kom så, kugler!4
Impressionen
Die Fotos entstanden im August 2025 auf dem Bouleplatz in Gudhjem auf Bornholm. Mein Dank geht an die geduldigen und verständnisvollen Boulisten von Gudhjem Petanque.
Pétanque auf Bornholm: Gudhjem
Pétanque auf Bornholm: Gudhjem
Pétanque auf Bornholm: Gudhjem
Pétanque auf Bornholm: Gudhjem
Pétanque auf Bornholm: Gudhjem
Pétanque auf Bornholm: Gudhjem
Pétanque auf Bornholm: Gudhjem
Pétanque auf Bornholm: Gudhjem
Pétanque auf Bornholm: Gudhjem
Pétanque auf Bornholm: Gudhjem
- Website: https://petanque.dk/; Nein, der Präsident heißt nicht Dørhøfer, sondern John Saxild-Hansen. ↩
- Auf der Website des Dänischen Verbands gibt es eine Karte der 62 Vereine. ↩
- Meine Dänischkenntnisse sind ähnlich ausgeprägt wie meine Fähigkeit, zweimal hintereinander ein Retro auf Ansage zu schießen. Deshalb habe ich nachgeschaut und wurde auf der Website Land der Dänen fündig: Dort wird auch das dänische Alphabet erklärt. Danach gibt es die Schreibweise „Å“ erst seit 1948, die mit „Aa“ wurde davor verwendet. Bei Namen findet die alte Version heute immer noch Verwendung – nachzulesen auf landderdaenen.de. Warum aber Petanqueklub mal zusammen und mal auseinander geschrieben wird, das bleibt für mich ebenso ein Geheimnis wie der regelmäßg fehlende Accent, wenn Dänen das Wort Pétanque schreiben. Dänische Tastaturen haben die Akzente durchaus im Angebot. ↩
- Laut irgendeiner künstlichen Intelligenz soll das die dänische Übersetzung von „Allez les boules!“ sein. ↩















