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Eine Gegenrede zu Florian Hennekempers Artikel
Ich habe nicht fertig
von Frank J.
veröffentlicht am 24. April 2026

veröffentlicht am

24. April 2026

Autor

Frank J.

Die Rede Trapp­a­to­nis vom 10. März 1998 wird häu­fig als Wut­re­de bezeich­net.1 Nun tauch­te Trapp­a­to­nis berühm­tes „Ich habe fer­tig“ in einem Face­book-Arti­kel auf – und dort wur­de auch Franks Pétan­que erwähnt. Der Autor, Flo­ri­an Henne­kem­per, zeigt sich in sei­nem Arti­kel erkenn­bar ver­stimmt über die Rol­le man­cher Medi­en in der Pétan­que-Sze­ne.2 Flo­ri­ans Aus­füh­run­gen bedür­fen einer Gegenrede.

Wir ver­fol­gen bei­de ziem­lich sicher das sel­be Ziel, Flo­ri­an: Wir wol­len das Pétan­que in Deutsch­land vor­an brin­gen. Aller­dings haben wir recht unter­schied­li­che Vor­stel­lun­gen davon, wie das erreicht wer­den kann. Wäh­rend von Dir vor allem eine har­mo­ni­sche Vor­ge­hens­wei­se gewünscht wird, in der alle an einem Strang zie­hen, sehe ich das Pro­blem, dass ich vie­les im Deut­schen Pétan­que-Ver­band nicht mit­tra­gen kann.

Ich möch­te unse­re unter­schied­li­chen Her­an­ge­hens­wei­sen etwas ein­ge­hen­der betrach­ten und wer­de im Fol­gen­den auf die von Dir her­vor­ge­brach­ten Aspek­te ein­ge­hen. Ich gehe davon aus, dass Dir Dein Anlie­gen ernst ist, wenn Du mor­gens um 2 Uhr einen Face­book-Arti­kel schreibst. Genau­so ernst und sorg­fäl­tig will ich mich nun damit auseinandersetzen.

Die Quint­essenz

Florian Hennekempers Artikel auf Facebook (11. April 2026)

Unterm Strich erken­ne ich zwei Appel­le in Dei­nem Artikel:

  1. Die Pétan­que-Medi­en von Ulli Brülls (ptank.de), Hein Fuhr­mann (boule4you.de) und Frank Jer­mann (franks-petanque.de) sol­len mit dem Ver­band arbei­ten statt gegen ihn. Vor­bild soll dabei Jan­nik Scha­a­kes Arbeit (petanque-aktuell.de) sein.
  2. Wer mit dem Bun­des­ver­band nicht ein­ver­stan­den ist, die oder der darf das „ger­ne kund­tun“ – muss sich dann aber in die Ver­bands­ar­beit ein­brin­gen („sel­ber auf­stel­len und machen!!!“).

Soll­te ich etwas falsch ver­stan­den haben, bit­te ich um einen Hinweis.

Das Bei­werk

Der größ­te Teil Dei­nes Arti­kels hat kei­nen oder nur sehr wenig Bezug zu dem, was ich oben als Quint­essenz her­aus­ge­ar­bei­tet habe. Die­se Abschnit­te sind Bei­werk. Ihre Rele­vanz für Dei­ne Kern­aus­sa­gen erschließt sich mir nicht:

  • Da taucht etwas zu „Herz­blut“ auf. Willst Du das – im Gegen­satz zu den Ver­ant­wort­li­chen im DPV, denen Du Herz­blut attes­tierst – ande­ren absprechen?
  • Du plat­zierst ein Dan­ke­schön für „ver­schie­de­ne Platt­for­men“. Es bleibt unklar, wel­che Du meinst. Han­delt es sich um die vom DPV betrie­be­nen Auf­trit­te bei You­Tube, Face­book, Insta­gram und Whats­App – oder bedankst Du Dich bei den von Dir genann­ten Medien?
  • Die Aus­sa­ge Dei­nes Aus­flugs in die Zei­ten von au fer und Pétan­que Inter­na­tio­nal erschließt sich mir nicht – die Erwäh­nung der Strei­tig­kei­ten zwi­schen den Her­aus­ge­bern der Publi­ka­tio­nen eingeschlossen.
  • Eben­so ergeht es mir mit Dei­nem Dank für die Tur­nie­re, die damals von pri­va­ten Orga­ni­sa­to­ren ver­an­stal­tet wurden.

Die­sen Teil hake ich ab. Wenn er wich­tig für Dei­ne Aus­sa­ge sein soll­te, dann habe ich das nicht ver­stan­den und eine Erklä­rung wäre hilfreich.

Was fehlt

Mein größ­tes Pro­blem mit Dei­nem Arti­kel besteht aber dar­in, dass es Dei­nen Kern­punk­ten an Begrün­dun­gen man­gelt. Grund­sätz­lich feh­len Dei­nem Arti­kel hier­zu nach­prüf­ba­re Fak­ten und/oder Bei­spie­le. Um das zu ver­deut­li­chen, zitie­re ich Dei­ne Kern­aus­sa­gen und stel­le ihnen mei­ne detail­lier­te Sicht gegenüber:

DPV: der sport­li­che Bereich

„Der Deut­sche Petan­que Ver­band hat in den letz­ten Jah­ren sehr viel erreicht und an Anse­hen gewon­nen, ob es auf Ver­bands­ebe­ne oder auch im sport­li­chen Bereich ist!!!“

Flo­ri­an Hennekemper

Dein gene­rel­les Lob für den Ver­band emp­fin­de ich als über­ra­schend. Bei­spie­le lie­ferst Du kei­ne. Stimmt Dein posi­ti­ves Fazit?

Klar, der sport­li­che Bereich hat sich im Jahr 2025 im inter­na­tio­na­len Ver­gleich ver­bes­sert. Wie groß war aber der Anteil des DPV an dem guten Spiel der Euro­pa­meis­ter? Wel­chen Anteil hat er bei der Ent­wick­lung von Maria Hein zu einer guten Tireuse?

Nun, ich gön­ne dem Ver­band, sich mit den Erfol­gen sei­ner Spieler­Innen zu schmü­cken. Wenn er die­se für sich rekla­miert, dann soll­te er sich aber auch das eher schwa­che Abschnei­den an ande­rer Stel­le – bei­spiels­wei­se bei der WM 2025 in Rom – auf sei­ne Fah­nen schrei­ben. Dar­über schweigt sich der DPV aus.

Ich fin­de: Ein so gene­rel­les Lob kann man dem Ver­band in sport­li­cher Hin­sicht nicht aussprechen.

DPV: die Verbandsebene

Wie sieht es auf der von Dir erwähn­ten Ver­bands­ebe­ne aus? Ich mei­ne, gera­de in die­sem Bereich bie­tet der DPV kaum Grund zur Freu­de. Das Gegen­teil ist der Fall. Dafür gibt es vie­le Beispiele:

  1. Umgang mit Natio­nal­spie­le­rin­nen
    Das Ver­hal­ten des DPV hin­sicht­lich des Rück­tritts der drei Natio­nal­spie­le­rin­nen Caro­lin Nier­mann, Eileen Jenal und Anna Laza­ri­dis3 im Jahr 2024 war erschre­ckend, ja, ver­stö­rend. Es gab detail­liert geschil­der­te Vor­wür­fe und vie­le bestä­ti­gen­de Kom­men­ta­re – auch aus ande­ren Natio­nal­ver­bän­den – über die unak­zep­ta­blen Aus­brü­che und das man­gel­haf­te, ja, sogar kon­tra­pro­duk­ti­ve Coa­ching der Bun­des­trai­ne­rin Lara Koch.4 Trotz­dem hielt der DPV an ihr fest. Ob man den inter­nen Quel­len glau­ben kann, dass der Ehe­mann der Trai­ne­rin, Sascha Koch, mit Rück­tritt gedroht haben soll, falls der DPV sei­ne Frau frei­stel­len wür­de? Ich hal­te die Aus­sa­gen für glaub­wür­dig – und das Ver­hal­ten des Bun­des­ver­bands für nicht akzeptabel.
  2. Der Auf­stiegs­skan­dal 2024
    Der Ver­band gab eine völ­lig abwe­gi­ge Ein­schät­zung hin­sicht­lich des Auf­stiegs von Oppau/Lübeck ab. Ohne Not und in der Sache sub­stanz­los posi­tio­nier­te sich der gesam­te dama­li­ge Vor­stand zu Guns­ten von Oppau. Mehr Inkom­pe­tenz ging nicht.5
  3. Die Öffent­lich­keits­ar­beit des Ver­bands
    Erfol­ge wer­den auf der Web­site nicht her­aus­ge­stellt, vie­le neben­säch­li­che Mel­dun­gen, die ledig­lich Selbst­be­weih­räu­che­rung sind, ver­drän­gen Wich­ti­ges. Ein Kom­mu­ni­ka­ti­ons­kon­zept für den Web­auf­tritt ist ent­we­der nicht vor­han­den oder es ist mise­ra­bel. Pres­se­ar­beit fin­det nicht statt oder ist nicht sicht­bar. Der Ver­band erfüllt hier­bei sei­ne in der Sat­zung ver­an­ker­te Auf­ga­be nicht.6 Ein Blick auf die Web­site des Ver­bands reicht, um das zu erkennen.
  4. Infor­ma­tio­nen an die Pétan­que-Gemein­de
    Eine umfas­sen­de Infor­ma­ti­on über die Ver­bands­ar­beit – bei­spiels­wei­se per News­let­ter – bie­tet der DPV nicht an. Es wer­den statt des­sen vie­le The­men im inne­ren Zir­kel gehal­ten. Bei­spiel: Erst auf media­len Druck rück­te der DPV eine dün­ne Nach­richt über das Hal­len­pro­jekt an die Spieler­Innen heraus.
  5. Statt Infor­ma­tio­nen: Kla­ge­dro­hun­gen durch den DPV
    Jüngst berich­te­te Ulli Brülls davon, dass Micha­el Dör­hö­fer ihm „recht­li­che Schrit­te“ androh­te, weil auf ptank.de weni­ge Klei­nig­kei­ten zum Hal­len­pro­jekt ver­öf­fent­licht wur­den. Die­se Rand­no­ti­zen stamm­ten zudem aus dem Bun­des­ver­band selbst und wur­den von einem Lan­des­ver­bands­ver­tre­ter öffent­lich bekannt gege­ben.7

Ist das noch nicht genug? Nun, es fällt mir leicht nach­zu­le­gen: Wei­te­re Raus­schmis­se von Trai­ne­rIn­nen, wei­te­re Rück­trit­te von Spieler­Innen. Statt guter Öffent­lich­keits­ar­beit wer­den immer mehr nicht-bar­rie­re­freie Kanä­le dubio­ser Daten­kra­ken wie Face­book, Insta­gram und Whats­App bedient.

Auch das reicht nicht? Tho­mas Schu­manns Gebab­bel als „ewi­ger“ Kom­men­ta­tor bei Live-Über­tra­gun­gen. Eine zumin­dest zum Teil mise­ra­bel orga­ni­sier­te Geschäfts­stel­le. Kras­se Miss­ach­tung von Infor­ma­ti­ons­pflich­ten des Ver­bands gegen­über Vereinen.

Reicht das nun? Nein, Flo­ri­an, auf Ver­bands­ebe­ne reißt der DPV see­ehr wenig. Das von Dir erwähn­te Herz­blut ist kein Kri­te­ri­um, wenn die Qua­li­tät einer Arbeit beur­teilt wer­den muss.

Auch ist es grund­sätz­lich erst ein­mal gleich­gül­tig, ob eine Arbeit bezahlt wird oder unbe­zahlt als Ehren­amt erfolgt. Sie muss in jedem Fall gut erle­digt wer­den. Wenn jemand etwas nicht leis­ten kann, dann liegt die Ver­ant­wor­tung hier­für beim DPV, der Qua­li­täts­stan­dards ein­hal­ten müss­te. Soll­te das geplan­te Hal­len­pro­jekt ver­mas­selt wer­den, wür­dest Du dann im Zwei­fel auch argu­men­tie­ren, dass die Ver­ant­wort­li­chen ja bloß Ehren­amt­li­che waren?

Für kei­nen der oben ange­führ­ten fünf Punk­te kann ich „das Ehren­amt“ als Ent­schul­di­gung gel­ten las­sen. Alle The­men wur­den gezielt und wis­sent­lich so vom DPV gehandhabt.

Die Bun­des­hal­le

„Das Pro­jekt in Rod­gau brauch kei­ne fal­sche Bericht­erstat­tung, das scha­det nur!!!“

Flo­ri­an Hennekemper

Worauf beziehst Du Dich mit Dei­ner Aus­sa­ge? Wel­che „fal­sche Bericht­erstat­tung“ gab es von wem über das Pro­jekt in Rod­gau? Das bleibt in Dei­nem Arti­kel völ­lig unklar.

Es gab von ver­schie­de­ner Sei­te klei­ne Noti­zen zum Hal­len­pro­jekt des DPV. Was auf all­ge­mein zugäng­li­chen Quel­len zu fin­den war, kann ich nicht unter „fal­sche Bericht­erstat­tung“ ein­stu­fen. Einen even­tu­el­len Vor­wurf soll­test Du klar benen­nen, ansons­ten kann ich ihn nicht ernst neh­men. Dass es über­haupt zu Gerüch­ten um die Bun­des­hal­le kam, lag dar­an, dass der DPV (!) nicht informierte.

Demo­kra­tie

„Es gibt immer ver­schie­de­ne Mei­nun­gen, wir leben in einer Demo­kra­tie aber Ver­ständ­nis und Unter­stüt­zung gegen­über den Men­schen, die Ver­ant­wor­tung inner­halb des DPV tra­gen, müs­sen unter­stützt werden!!!“

Flo­ri­an Hennekemper

Ich mag sol­che Appel­le an unse­re gesell­schaft­li­chen Grund­wer­te, denn sie sind wich­tig. Auch im Pétan­que dür­fen wir nicht ver­ges­sen, was uns als Gesell­schaft eint. Dazu gehö­ren The­men wie Regeln (sie stel­len im Pétan­que eine gemein­sa­me und ver­pflich­ten­de Basis für unse­ren Sport dar), aber auch das grund­sätz­li­che, respekt­vol­le Ver­hal­ten auf dem Platz (dazu gehört es, sich gegen Pöbe­lei­en, Gewalt­an­dro­hun­gen, Alko­hol und ande­re Dro­gen zu positionieren).

Aller­dings habe ich den Ein­druck, dass Du das gar nicht meinst – oder Din­ge durch­ein­an­der bringst, wenn Du Demo­kra­tie und die (bedin­gungs­lo­se?) Unter­stüt­zung für den Ver­band in einem Atem­zug nennst.

„Wenn es jeman­dem nicht passt, kann er dies ger­ne kund­tun aber dann bit­te sel­ber auf­stel­len und machen!!!“

Flo­ri­an Hennekemper

Immer­hin darf man Dei­ner Ansicht nach ande­re Mei­nun­gen „ger­ne kund­tun“ – muss sich dann aber sel­ber in der Ver­bands­ar­beit enga­gie­ren. Das bedeu­tet nicht weni­ger als einen Maul­korb für kri­ti­sche Stim­men, die nicht mit der Ver­bands­ar­beit ein­ver­stan­den sind, sich selbst aber in die­sem Ver­band – in der kon­kre­ten Beset­zung und mit der aktu­el­len inhalt­li­chen Arbeit – nicht ein­brin­gen wol­len oder kön­nen. Oder ver­ste­he ich da etwas falsch?

„Ich per­sön­lich wür­de mir wün­schen egal ob es ptank oder boule4you, franks Pètan­que ist, in Zukunft mit dem Ver­band in sei­ner Bericht­erstat­tung zu arbei­ten, genau­so wie es Petan­que aktu­ell tut.“

Flo­ri­an Hennekemper

Nein, ich den­ke, dass ich Dei­ne Zei­len schon rich­tig lese. Wenn Du dann noch die Medi­en in die Pflicht neh­men willst, die Dei­ner Ansicht nach „mit dem Ver­band […] arbei­ten [sol­len], genau­so wie es Petan­que aktu­ell tut“, dann wird Dein Irr­tum offensichtlich.

Da Du die Arbeit der Medi­en beson­ders her­aus­hebst, ist ein eige­ner Abschnitt dazu ange­mes­sen – und wohl auch drin­gend nötig:

Die Medi­en

Die Rol­le der Medi­en ist es zu infor­mie­ren. Im Bereich unse­res Sports bedeu­tet das kon­kret, die Mit­glie­der unse­rer Pétan­que-Bla­se mit Infor­ma­tio­nen zu ver­sor­gen, die sie benö­ti­gen, um sich auf ratio­na­le Wei­se eine eige­ne Mei­nung bil­den zu kön­nen.8

In einer demo­kra­tisch gestal­te­ten Ord­nung ist es nicht die Rol­le der Medi­en, „mit dem Ver­band in sei­ner Bericht­erstat­tung zu arbei­ten“. Viel­mehr sind Medi­en in einer Demo­kra­tie freie Medi­en, sie sind unabhängig.

Kei­ne Hofberichterstattung!

Oft berich­ten unab­hän­gi­ge Medi­en über das, was die Ent­schei­de­rIn­nen gera­de nicht an die Öffent­lich­keit kom­men las­sen möch­ten. Sie berich­ten über Hin­ter­grün­de, Unge­reimt­hei­ten, legen Fin­ger in Wun­den – und das betrifft häu­fig Din­ge, die Ent­schei­de­rIn­nen nicht selbst veröffentlichen.

Kon­kret bedeu­tet das für unse­re Pétan­que-Bla­se: Es ist nicht Auf­ga­be der unab­hän­gi­gen Pétan­que-Medi­en, das wie­der­zu­ge­ben, was der DPV sich wünscht oder zu beklat­schen, was er bereits selbst ver­öf­fent­licht hat. Viel­mehr ist es die Auf­ga­be der Medi­en, hin­ter die Kulis­sen zu schau­en, Din­ge zu recher­chie­ren und ein­zu­ord­nen – und somit den Mit­glie­dern unse­rer Pétan­que-Gemein­de eine umfang­rei­che­re Sicht auf ver­schie­dens­te The­men zu ermög­li­chen. In vie­len Fäl­len wer­den die Spieler­Innen sich erst auf die­ser Basis ein dif­fe­ren­zier­tes Bild machen können.

Kein Gefäl­lig­keits­jour­na­lis­mus!

Was Du Dir wünschst, Flo­ri­an, ist letzt­lich eine ver­ein­heit­lich­te Pétan­que-Pres­se, die dem DPV zum Mun­de schreibt. So etwas ist einer demo­kra­ti­schen Gesell­schaft fremd. Eine von der Obrig­keit abhän­gi­ge Pres­se ist eine Aus­prä­gung auto­kra­ti­scher Staa­ten, die mit­tels ihrer exklu­si­ven Macht­struk­tu­ren ande­re Mei­nun­gen zu unter­drü­cken ver­su­chen. Dein Appell für Demo­kra­tie, ver­bun­den mit dem Wunsch nach einer sich mit dem Ver­band abstim­men­den Medi­en­land­schaft beißt sich also gewaltig.

Wor­über nicht berich­tet würde

Flo­ri­an, Du wünschst Dir Fol­gen­des: Ulli, Hein und ich mögen doch bit­te so agie­ren, wie es Jan­nik von Pétan­que aktu­ell prak­ti­ziert. Das kannst Du nicht ernst mei­nen, oder? Bist Du tat­säch­lich der Ansicht, dass wir uns auf das redu­zie­ren soll­ten, was der DPV vor­gibt? Vier Kanä­le, die alle an den Lip­pen des Ver­bands hän­gen und dabei über die diver­sen Fehl­ent­wick­lun­gen hin­weg sehen sol­len? Genau das bedeu­te­te Dein Wunsch.

Die Fol­ge wäre bei­spiels­wei­se gewe­sen, dass nie­mand über die Rück­trit­te der Natio­nal­spie­le­rin­nen Caro­lin, Eileen und Anna berich­tet hät­te, denn der DPV ver­öf­fent­lich­te dazu kei­ne Zei­le – und bei Pétan­que aktu­ell konn­te ich nie einen Bericht dar­über fin­den. Nur Schel­me wer­den in die­sem Zusam­men­hang auf den Gedan­ken kom­men, dass Jan­nik Scha­a­ke und ande­re aus dem Team von Pétan­que aktu­ell mit der bekrit­tel­ten Bun­des­trai­ne­rin zusam­men für Mann­heim-Wald­hof in der Bun­des­li­ga spielen.

Auch eine Fol­ge wäre gewe­sen, dass nie­mand Infor­ma­tio­nen zur Bun­des­hal­le ein­ge­for­dert hät­te, denn der DPV berich­te­te dar­über lan­ge Zeit nicht – und schließ­lich soll­ten wir Pétan­que-Medi­en Dei­ner Ansicht nach ja mit dem Ver­band arbei­ten, also in sei­nem Sinne.

Eine wei­te­re Fol­ge wäre gewe­sen, dass wir das unwür­di­ge Ver­hal­ten des DPV nicht mit­be­kom­men hät­ten, als er Hein Fuhr­mann mit faden­schei­ni­gen Begrün­dun­gen geschasst hat­te.9

Wir brau­chen Vielfalt

Nein, Flo­ri­an, in einer offe­nen, demo­kra­ti­schen Gesell­schaft haben die Medi­en eine ande­re Rol­le, als Du es dir in Dei­nem Arti­kel wünschst. Es ist genau rich­tig, wenn ptank.de, boule4you.de und franks-petanque.de enga­giert und hin­schau­end berich­ten. Genau­so ist es zuläs­sig, dass petanque-aktuell.de ver­bands­kri­ti­sche The­men eher mei­det und sein eige­nes Ding macht.

Am wich­tigs­ten und am bes­ten für eine leben­di­ge Pétan­que-Sze­ne ist es, wenn wir Viel­falt in der Bericht­erstat­tung haben. Viel­falt bedeu­tet auch: Viel­falt der Mei­nun­gen. Und genau dar­auf kommt es auch in unse­rer Bla­se an – ins­be­son­de­re jetzt, wenn der Ver­band ein so gro­ßes Pro­jekt wie die Bun­des­hal­le plant.

Wie kön­nen wir Spieler­Innen uns aber eine Mei­nung bil­den, wenn der Ver­band so gut wie kei­ne Infor­ma­tio­nen lie­fert? Es ist gut und not­wen­dig, dass sich ver­schie­de­ne Medi­en dem Han­deln und Nicht-Han­deln unse­res Ver­bands widmen.

Eine Absa­ge

Nein, ich wer­de in die­sem Ver­band ganz sicher nicht mit­ar­bei­ten – jeden­falls nicht als Teil des DPV-Teams. Ich wür­de kra­chend schei­tern, denn mei­ne Ideen und Initia­ti­ven wären nicht gefragt. Soll­te sich mei­ne Mei­nung jemals ändern, müss­te sich vor­her vie­les im Ver­band bewe­gen. Wirk­lich vie­les. Eine sol­che Ent­wick­lung ist jedoch nicht absehbar.

Ich wer­de aber – zusam­men mit ande­ren – hel­fen, die Arbeit des DPV kri­tisch zu begleiten.

Soli­da­ri­tät ist gefragt

Wenn Du und ich uns schon über so wun­der­ba­re Din­ge wie Demo­kra­tie aus­tau­schen, dann passt mein Schluss­ge­dan­ke zu Soli­da­ri­tät ganz gut, fin­de ich.

Ich glau­be an so etwas wie Soli­da­ri­tät. Ich bin soli­da­risch mit den­je­ni­gen, die der DPV unan­ge­mes­sen behan­delt hat. Ich bin nicht soli­da­risch mit denen, die das zu ver­ant­wor­ten haben – sei­en es die Ent­schei­der sel­ber oder die­je­ni­gen, die deren Ent­schei­dun­gen ohne Wider­spruch mit­ge­tra­gen haben. Eini­ge Bei­spie­le habe ich in die­sem Arti­kel auf­ge­führt. Eines davon will ich zum Schluss noch ein­mal aufgreifen:

Caro­lin, Eileen und Anna hat­ten mit ihrem offe­nen Brief ganz sicher nicht nur auf ernst­haf­te Soli­da­ri­tät in der Pétan­que-Sze­ne gehofft, die über das Set­zen eines „Likes“ hin­aus­geht. Sie haben sehr ver­mut­lich auch gedacht, dass ihre detail­lier­te und gerecht­fer­tig­te Kri­tik zwangs­läu­fig zu einem Umden­ken im DPV füh­ren müs­se. Bei­de berech­tig­ten Erwar­tun­gen wur­den krass enttäuscht.

Nichts hat sich für die drei Spieler­innen zum Posi­ti­ven gewen­det. Ihre begrün­de­ten Pro­tes­te wur­den vom DPV unter den Tep­pich gekehrt. Die Spieler­innen wur­den kom­men­tar­los aus der Lis­te der Kader­spie­le­rin­nen gestrichen.

Mei­ne Ent­schei­dung ist klar: Bei so etwas wer­de ich nicht mit­ma­chen. Du etwa, Flo­ri­an? Ich fin­de, es ist das Min­des­te an Soli­da­ri­tät, was man zei­gen kann: sich denen gegen­über ver­wei­gern, die sol­che Din­ge zu ver­ant­wor­ten haben.

Viel­leicht ist es für die meis­ten nicht mög­lich, Soli­da­ri­tät mit mehr als einem „Like“ aus­zu­drü­cken. Aber allen ist es mög­lich zu sagen: Da mache ich nicht mit.

Ein Ver­band, der so respekt­los mit sei­nen Spieler­innen umgeht, wür­de sich ganz bestimmt nicht über mei­ne Mit­ar­beit freu­en – denn ich wür­de mich auch mit einer Rol­le inner­halb des DPV gegen sol­che Aus­wüch­se wen­den. Man wür­de mich sehr schnell abser­vie­ren, so wie man es im DPV in der Ver­gan­gen­heit mit diver­sen enga­gier­ten Men­schen getan hat.

Dann hät­te auch ich fertig.

Frank Jer­mann

Extra: Was könn­te der DPV bes­ser machen?

Ich bin sicher, dass die bestehen­den Pétan­que-Medi­en mit den Schnip­seln, die der DPV sei­ner Gemein­de hin­wirft, ganz gut umge­hen kön­nen. Schließ­lich sind wir Media­len alle ganz gut ver­netzt und somit auch gut infor­miert. Wenn mal etwas fehlt, kön­nen wir hier und da nachhaken.

Das bedeu­tet aber nicht, dass ich die Medi­en­ar­beit des Bun­des­ver­bands als aus­rei­chend emp­fin­de – denn es gibt ja nicht nur die Pétan­que-Fach­pres­se, die den Fin­ger sowie­so am Puls hat. Die Situa­ti­on ande­rer Medi­en unter­schei­det sich da erheblich.

In einer bes­se­ren Welt könn­te der DPV alle Medi­en regel­mä­ßig mit Nach­rich­ten ver­sor­gen (das war vor lan­ger Zeit tat­säch­lich mal so).10

Da es im Bun­des­ver­band aber jah­re­lang kei­ne sicht­ba­re Pres­se­ar­beit gab – und heu­te immer noch nichts zu fin­den ist, was die­se Bezeich­nung ver­dient – blei­ben auch wei­ter­hin nur Träu­me von einer Außen­dar­stel­lung des Ver­bands, die sei­ner Grö­ße von knapp 28.000 orga­ni­sier­ten Spieler­Innen ange­mes­sen wäre.

Kon­kret wäre das mit einem Bereich „Pres­se“ auf der DPV-Web­site umzu­set­zen: Hier wären Bild­ma­te­ri­al in druck­fä­hi­ger Auf­lö­sung, eine Posi­tio­nie­rung des Pétan­que-Sports in Deutsch­land und selbst­ver­ständ­lich Pres­se­mit­tei­lun­gen anzubieten.


  1. sie­he: Ich habe fer­tig, Lis­te geflü­gel­ter Wor­te, Wiki­pe­dia  
  2. Lie­be Petan­que Com­mu­ni­ty!, ein Arti­kel von Flo­ri­an Henne­kem­per auf Face­book, 11. April 2026 
  3. Zum Nach­le­sen: die Rück­tritts­er­klä­rung der drei ehe­ma­li­gen Natio­nal­spie­le­rin­nen im vol­len Wort­laut 
  4. Ulli Brülls hat auf ptank.de eine Extra­sei­te zu den Rück­trit­ten ange­legt. Wer auf Face­book unter­wegs ist, kann dort die bestä­ti­gen­den Kom­men­ta­re auf Caro­lins Pro­fil im Ori­gi­nal nach­le­sen. 
  5. Am 29. Okto­ber, also drei Tage nach Been­di­gung der Auf­stiegs­run­de, äußer­te sich „das Prä­si­di­um“ des DPV dahin­ge­hend, dass Lübeck nicht auf­ge­stie­gen sei, weil es sei­ne sport­li­chen Begeg­nun­gen gegen Jever und Oppau ver­lo­ren habe (sie­he: Ergän­zen­de Stel­lung­nah­me zum News­bei­trag Auf­stiegs­run­de Tabelle/Begegnungen, Arti­kel auf der Web­site des DPV; zuletzt abge­ru­fen am 29. März 2025). Ohne an die­ser Stel­le wei­ter auf die Details ein­zu­ge­hen: Das war völ­li­ger Mum­pitz. Das DPV-Schieds­ge­richt hat die Posi­ti­on des DPV-Prä­si­di­ums fol­ge­rich­tig mit sei­ner Ent­schei­dung vom 13. Dezem­ber 2024 ein­kas­siert (sie­he: Urteil des Ver­bands­schieds­ge­richts zu Guns­ten von Lübeck, Kurz­mel­dung des DPV; zuletzt abge­ru­fen am 29. März 2025). 
  6. Aus der Sat­zung des DPV:
    § 2 Zweck und Auf­ga­ben
    (2) Die­ser Zweck wird ins­be­son­de­re durch die Wahr­neh­mung der fol­gen­den Auf­ga­ben ver­folgt:
    a) Ver­tre­tung des deut­schen Pétan­que­sports in Staat, Gesell­schaft und den Medi­en sowie gegen­über natio­na­len und inter­na­tio­na­len Sport­or­ga­ni­sa­tio­nen;
    […]; Quel­le: Sat­zung des Deut­schen Pétan­que-Ver­bands vom 3. Dezem­ber 2017 
  7. sie­he: DPV droht recht­li­che Schrit­te gegen Ulli Brülls an, Arti­kel auf Franks Pétan­que vom 12. Febru­ar 2026 
  8. Die­se For­mu­lie­rung habe ich weit­ge­hend aus die­sem Arti­kel über­nom­men: War­um Medi­en wich­tig sind: Funk­tio­nen in der Demo­kra­tie, Arti­kel von Udo Bra­nahl und Patrick Don­ges, Bun­des­zen­tra­le für poli­ti­sche Bil­dung vom 8. Juni 2011, zuletzt abge­ru­fen am 23. April 2026 
  9. Im Rah­men des Inter­views mit dem DPV-Prä­si­den­ten Micha­el Dör­hö­fer wur­de eine Zusam­men­fas­sung zum Fall Fuhr­mann erstellt. Heins offe­ner Brief vom 16. Okto­ber 2022 kann hier nach­ge­le­sen wer­den. 
  10. Im Edi­to­ri­al Ana­lo­ge The­ra­pie wird dar­ge­legt, dass es der DPV in den Zei­ten der gedruck­ten Pétan­que-Maga­zi­ne Infor­ma­tio­nen an die­se ver­schick­te, die dann von denen auch ger­ne abge­druckt wur­den. Aller­dings wur­de auch schon mal ein Maga­zin nicht vom DPV berück­sich­tigt, wenn dem Bun­des­ver­band ein Arti­kel nicht pass­te. 
Cochonnet

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Ras­sis­mus und Rabauken

Ras­sis­mus und Rabauken

Der Hes­si­sche Pétan­que-Ver­band berich­te­te im Mai 2026 von diver­sen Über­grif­fen auf Ver­bands­tur­nie­ren: Es gab ras­sis­ti­sche Aus­sa­gen, sexua­li­sier­te Bemer­kun­gen, poli­ti­sche Pro­vo­ka­tio­nen und mehr. Vie­les bleibt dabei unklar: Was genau ist pas­siert? Gab es über­haupt Sank­tio­nen für die Rabauken?

Ver­steck­te Projekte

Ver­steck­te Projekte

Am 23. Febru­ar 2026 tag­te ein außer­or­dent­li­cher Ver­bands­tag des Deut­schen Pétan­que-Ver­bands (DPV). Dort wur­den wich­ti­ge Pro­jek­te bespro­chen, die Öffent­lich­keit aber so gut wie nicht infor­miert. Man muss­te schon lan­ge suchen, um die bri­san­ten Ergeb­nis­se zu finden.

Geschwur­bel statt Kommunikation

Geschwur­bel statt Kommunikation

Die Ent­wick­lung in Sachen DPV-Hal­le ist mitt­ler­wei­le nur noch als Far­ce zu bezeich­nen. Nach der Ankün­di­gung „span­nen­der News“ durch Prä­si­dent Dör­hö­fer im Juli 2025 herrsch­te kom­plet­te Funk­stil­le zu dem The­ma. Der DPV berich­tet nichts – folg­lich sprie­ßen seit­dem Gerüchte.

Inter­view mit Micha­el Dörhöfer

Inter­view mit Micha­el Dörhöfer

Im August 2025 fand ein Inter­view mit Micha­el Dör­hö­fer (Prä­si­dent des Deut­schen Pétan­que-Ver­bands) statt. Das The­ma war die Öffent­lich­keits­ar­beit des Bundesverbands.

Damen-DM 2025 Tir de Précision

Damen-DM 2025 Tir de Précision

Nicht nur die wort­lo­se Über­tra­gung der Damen-DM 2025 im Tir de Pré­cis­i­on war beschä­mend. Auch die Nomi­nie­rung zur WM ist mut­los: Wegen ihres Alters wur­de Sil­va­na Lich­te, die neue Deut­sche Meis­te­rin im Schuß­wett­be­werb, dafür nicht berücksichtigt.

Bun­des­leis­tungs­zen­trum

Bun­des­leis­tungs­zen­trum

Der Pétan­que-Bun­des­ver­band DPV ver­öf­fent­lich­te einen Mas­ter­plan zum Auf­bau eines Bun­des­leis­tungs­zen­trums. Es soll eine Hal­le mit 32 Fel­dern, moder­ner Infra­struk­tur und zeit­ge­mä­ßem Video-Equip­ment für pro­fes­sio­nel­le Live-Über­tra­gun­gen gebaut werden.

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