Einige Bemerkungen vorweg
Während der sechsten Etappe des Masters de Pétanque in Rognac bei Marseille hatte Franks Pétanque die Gelegenheit, die Equipe Allemagne zu befragen. Das Team stand Anke und mir nach dem Abendspiel Rede und Antwort. Bevor die vier Spieler nach einem langen und anstrengenden Tag in ihr Hotel fuhren, konnten wir einige Details von ihnen erfahren.
Die Voraussetzungen für das Gespräch waren nicht besonders gut, denn die Equipe war gerade dem Team Bonetto mit 10 zu 13 unterlegen. Um so höher ist es einzuschätzen, mit welcher Freundlichkeit, Selbstverständlichkeit und mit welchem Engagement sich Tobias, Moritz, Matthias und Daniel unseren Fragen stellten.
Das Spiel
Zuerst ging es um das gerade beendete Spiel, dessen Ausgang nach den ersten beiden schwachen Aufnahmen der Deutschen eigentlich selbstverständlich schien. „Wollen wir jetzt anfangen Boule zu spielen?“, meinte Tobias Müller zu seinen Mitspielern beim Stand von 0 zu 8. Und sie fingen an.
Dass es trotzdem nicht zum Sieg reichte, lag natürlich an der Hypothek der eingefangenen acht Punkte, zum anderen aber auch an dem wirklich starken Auftritt des Gegners. Dazu spielte Matthias nicht in Topform: Anders als bei der Europameisterschaft im letzten Jahr erreichte er hier weder die Konstanz, noch die Genauigkeit bei seinen Schüssen. Warum war das so?
Zu Beginn des Interviews erfuhren wir in einem eher privaten Teil unseres Gesprächs, dass Matthias in diesem Jahr sehr viel weniger spielen und trainieren kann. „15 mal Boule gespielt in diesem Jahr, das ist für meine Verhältnisse wirklich nichts. Sonst spielte ich 50 Turniere im Jahr plus Training.“ Es sind familiäre Gründe: „Momentan geht die Familie allem vor.“ Man merkte seinem Spiel an, dass Pétanque gerade eine geringere Rolle in seinem Leben spielt als vor einem Jahr.
Zu welcher Leistung das Team trotzdem fähig ist, konnte man aber dennoch erkennen. Der Gegner wurde ersichtlich nervös und Bonetto reagierte teils genervt auf die nachlassende Leistung seiner Mannschaft. Wobei das ein Klagen auf einem sehr hohen Niveau war.
Neuland
Wir erfuhren auch etwas über die Aufregung der ja ansonsten eher ausgebufften Spieler: Für sie war vieles neu und ungewohnt – und wir können nach dem Interview mehr als ahnen, wie das gerade auf der ersten Etappe für sie gewesen sein muss. Warum manche Kugeln in St. Etienne sprangen wie Gummibälle – auch das wissen wir nun.
Finanzen: Sponsorensuche
Die Finanzen! Es gab Gerüchte über die Antrittsprämie, die vom Veranstalter gezahlt wird. Wir haben natürlich nachgefragt – und konnten ein wenig besser verstehen, in welchen Größenordnungen sich das beim Masters bewegt. Auch, wenn keiner der Spieler aufgrund unterzeichneter Verträge konkrete Zahlen nennen durfte …
Die Schwierigkeiten bei der Sponsorensuche waren ein Thema, auch dass der DPV den Spielern nichts zahlt. Es wäre nicht der DPV, wenn der genannte Grund kaum nachvollziehbar ist.
Dankbarkeit
Trotzdem war das Team Allemagne sehr angetan davon, an dieser Turnierserie teilnehmen zu dürfen. „Es ist eine große Ehre hier zu spielen. Wir treten gegen die Besten der Welt an und jedes Spiel ist ein Geschenk“, meinte Matthias Laukart während unseres Gesprächs.
Wir konnten eine Menge über die Hintergründe lernen. Ich finde das wichtiger als die Ergebnisse ihrer Spiele. Zudem hilft es mir einzuschätzen, wie aufregend die letzten Monate für die vier Spieler gewesen sind.
Die zwei Tage am Spielfeldrand in Rognac waren eine wunderbare Gelegenheit, in einem der wichtigsten Momente des deutschen Pétanque ganz nah dabei gewesen zu sein. Für die Gespräche mit den Spielern bin ich sehr dankbar.
Frank Jermann
Nachgelegt
Um diesen Artikel zum Interview nicht zu überfrachten – und den Fokus auf dem Gespräch mit der Equipe Allemagne zu belassen – habe ich ein paar generelle Details zum Masters ausgespart. Das bedeutet nicht, dass da nicht durchaus interessante Themen dabei sein könnten. Diese möchte ich nun nach und nach – nachlegen.
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