Vielen SpielerInnen war während der Weltmeisterschaft 2025 in Rom anzumerken, wie anstrengend dieses Turnier in großer Hitze auf den schattenlosen Plätzen war. Im ersten Artikel über diese Mammut-WM mit 575 Spielen berichtete Franks Pétanque bereits darüber.1 Es ist nicht unwahrscheinlich, dass manche Leistungseinbrüche, die auch bei bekannten SpielerInnen auftraten, mit den äußeren Umständen zusammen hingen.
Mohamed Khaled Bougriba
Zu Beginn des Turniers sah ich mit Interesse ein Tête-à-tête zwischen dem Tunesier Mohamed Khaled Bougriba und dem für Armenien startenden Franzosen Michel Hatchadourian. Mohamed spielte eine starke Partie gegen den Weltklassemann und gewann nicht nur vom Ergebnis her deutlich (13 zu 6). Es befand sich kaum mehr als eine Handvoll ZuschauerInnen am Carrée d’Honneur.
Die erste Partie dürften Mohameds berechtigte Hoffnung auf das Erreichen der Finalrunde bestärkt haben – jedoch lief es danach schlechter für ihn: Er verlor erst gegen den Franzosen Christophe Sarrio zu 6, dann behielt Boualem Zebaier aus Algerien die Oberhand (zu 7). Beide Gegner konnten sich für das Achtelfinale qualifizierten.
Das letzte gewonnene Spiel gegen den Iraner Gholamali Shamoradi war für den Tunesier bedeutungslos, denn zwei gewonnene Vorrundenspiele reichten nicht zum Weiterkommen.
Mohamed war sicher etwas „unter Wert“ geschlagen, wenn man die internationalen Erfolge seiner Pétanque-Karriere zugrunde legt.2
Sofien Ben Brahim
Zusammen mit seinem Partner Sofien Ben Brahim spielte sich Mohamed im Doublette bis ins Viertelfinale. Dort verloren die beiden Tunesier gegen ein stark aufspielendes Italien 1 deutlich mit 5 zu 13. (Dieses Spiel kann bei Youtube angeschaut werden – und ein paar Bemerkungen dazu habe ich auch noch in die Fußnote geschrieben.)3
Die Partie wurde auf dem Carrée d’Honneur ausgetragen, was den ZuschauerInnen immerhin ermöglichte, das Spiel im Sitzen anzuschauen. Auch wenn es nur geringes Publikumsinteresse gab: Die wenigen Plätze im Schatten, die sich gegen abend durch die tiefer stehende Sonne ergaben, waren begehrt.
Fotografisch waren es die schönsten Momente, wenn hier am Abend gegen 18 Uhr die Sonne tiefer sank und das Licht wärmer wurde. Stand dann noch ein so ausdrucksstarker Spieler wie Sofien auf dem Platz, war es schon schwierig, allzu viele Fotos zu vermasseln.
Im Doublette Mixte spielte sich Sofien mit Asma Belli ebenfalls ins Viertelfinale. Allerdings waren in der Vorrunde anfangs die eher leichteren GegnerInnen nicht von Nachteil: Gegen Estland und den Libanon wurde jeweils zu 6 gewonnen. Die Ernüchterung folgte dann im dritten Spiel mit einer zu Null verlorenen Partie gegen Frankreich (Bandiera/Rocher).
Nun benötigte das tunesische Mixte noch einen Sieg, um in die Finalrunde einzuziehen. Der gelang gegen Italien 2 (Sara Dedominici / Davide Laforè) – und zwar deutlich: Das 13 zu 1 war insofern bemerkenswert, als auch das italienische Mixte noch einen Sieg für den Einzug in die Finalrunde benötigte. Wie bereits im ersten Bericht aus Rom erwähnt, spielte besonders die zweite Reihe des italienischen Teams eher schwaches Pétanque.
Für das tunesische Mixte standen ein klarer Sieg im Achtelfinale gegen Australien (13 zu 6) und eine deutliche Viertelfinalniederlage gegen Monaco (4 zu 13) an.4
Audrey Bandiera
In die Kategorie „ausdrucksstark“ fällt auch die französische Top-Spielerin Audrey Bandiera. Ihre energische Präsenz, mit der sie ihre Kugeln spielt, beeindruckt mich immer wieder. Sie vermittelt mit ihrem kraftvollen, körperbetonten Spiel den Eindruck, dass sie ihren Kugel keine Wahl lassen will. Ich schaue ihr gerne zu.
Audrey erreichte in Rom sowohl im Frauen-Doublette mit ihrer Partnerin Nelly Peyré als auch im Doublette Mixte mit Dylan Rocher das Finale. Beide Endspiele wurden dann aber deutlich verloren (zu 2 gegen Thailand im Frauen-Doublette und gegen Madagaskar im Mixte zu 6).
Ich meinte, ein Nachlassen ihrer Spielqualität beobachtet zu haben: Je länger das Turnier dauerte, desto weniger überzeugend waren ihre Leistungen. War auf ihre – voller Körperspannung gespielten – Kugeln in der Vorrunde noch regelmäßig Verlass, so verlegte sie später so manche Boule. Möglicherweise hat ihr Spiel unter dem langen Turnier und den schwierigen Verhältnissen (Hitze, unbeschattete Plätze) gelitten. Ich kann mir vorstellen, dass es bei ihr ein Konditionsproblem gab.
Trotzdem war es eine Freude ihr beim Legen zuzuschauen: Zumeist hatte ich den Eindruck, dass Audrey ihre Kugeln auf eine besondere Art beherrscht. Irgendwie hingeworfene Boules, die dann schon etwas ausrichten würden, habe ich in ihren guten Partien nicht gesehen – und selbst schwächere waren meist erst am nicht ausreichenden Ergebnis erkennbar.
In Sachen Körpersprache hätten sich alle deutschen SpielerInnen in Rom an ihr orientieren können. Der Unterschied war zumeist immens.5
Dylan Rocher
Dieses während einer Abend-Session gegen 20:30 Uhr unter Kunstlicht aufgenommene Foto zeigt die fast unnachahmliche Dynamik eines Ausnahmespielers. Es ist eine Art Urgewalt, die vielen seiner Schüsse innewohnt. Da ist etwas Wildes, vielleicht auch Unbezähmbares. Dabei hält sich Rocher oft nur unter sichtbarer Anstrengung im Kreis – und manchmal auch nicht. In Rom schauten die SchiedsrichterInnen darüber hinweg.
So auch im Mixte-Halbfinale, durch das sich Rocher zusammen mit Audrey Bandiera mehr hindurch kämpfte als brillierte. Es war nur in wenigen Momenten eine hochklassige Partie.
Was in der ersten Aufnahme mit erstklassigen Schüssen des Thailänders Sarawut Sriboonpeng und Rocher begann (das ist bester Anschauungsunterricht für alle, die lieber „erst mal eine legen“), entwickelte sich im Mittelteil zu einer Partie mit teils immensen Legeproblemen. Dazu lochte Rocher für seine Ansprüche zu häufig.
Bandiera hatte die bereits erwähnten Ausfälle beim Legen, ihre wenigen Schüsse waren erfolglos. Die sechste Aufnahme spielte Frankreich katastrophal. Thailand erzielte drei Punkte und konnte den hohen Anfangsrückstand (1 zu 5) erstmals in eine Führung verwandeln. Das Spiel änderte seine Richtung aber immer wieder.
Nach drei Punkten der Franzosen in Aufnahme sieben versemmelte Bandiera drei Legekugeln, Rocher lochte mit seinem zweiten Schuss und legte dann ebenfalls irgendwo in die Pampa. Aber auch Thailand spielte nicht zwingend und vergab in dieser Situation eine große Aufnahme und den möglichen Sieg.
Das ziemlich unerschütterliche Selbstvertrauen Rochers ließ ihn in der letzten Aufnahme ein krachendes Palet auf die weit links liegende Eröffnungskugel schießen. Dem konnten die Thailänder tatsächlich nichts mehr entgegensetzen: Nach verlegten Kugeln war der einzige Ausweg ein Sauschuss von Sarawut Sriboonpeng, der aber erfolglos blieb. Die letzte Kugel legte seine Partnerin Nantawan Fueangsanit ans Cochonnet.
Das ausgezeichnete Spielverständnis der Franzosen wurde deutlich, als sie sich statt eines Schusses von Rocher, der irgendeine „Sauerei“ zur Folge hätte haben können, für eine Legekugel entschieden: Cochonnet und Kugel trennen, erst dann schießen. Also legte Bandiera – allerdings erneut nicht präzise! Ihre viel zu heftig und nicht gerade gespielte Kugel sprang glücklich und drückte die gegnerische weit weg. So verschaffte sie ihrem Team unerwartet viel Raum – der zum Sieg reichte.6
(Auch diese Partie kann auf Youtube angeschaut werden.)7
Diego Rizzi
R izzis Traum eines Weltmeistertitels im Tête-à-tête konnte er sich in Rom erfüllen. Bis dahin hatte er einmal das Halbfinale erreicht (2015), zweimal das Finale (2017, 2022). Wie sehr er sich einen Erfolg vor heimischem Publikum wünschte, wurde durch seine emotionale Reaktion nach seinem letzten Schuss im Finale deutlich.
Der Weg dahin war lang, aber der Italiener spielte insgesamt überzeugend. Ganze 12 Punkte gab er in den vier Vorrundenspielen im Einzel ab, darunter nur einen gegen seinen langjährigen Spielpartner Andrea Chiapello.
Eine Besonderheit ereignete sich in seinem letzten Vorrundenspiel gegen François N’Diaye: Der Senegalese war indisponiert – ihm gelangen kaum Treffer. Das Ergebnis seiner sieben (!) Schüsse in den Aufnahmen zwei bis vier: gerade mal ein Kontakt mit dem gegnerischen Eisen.
Da er trotz der geringen Quote immer munter weiter schoss, musste oder durfte Rizzi viel legen. Nach vier Aufnahmen stand es 10 zu 0.
N’Diayes großes spielerisches Potential war deutlich zu erkennen, jedoch waren seine Würfe zu selten erfolgreich. Als er schließlich anfing zu treffen, kam trotzdem keine Hoffnung auf, denn er schaffte bestenfalls Palets, die aber das Bild nicht eng machten.
Rizzi hatte leichtes Spiel – und nutzte das zu einer Reihe spektakulärer Hoch-Portées. Fast alle saßen punktgenau. Das Publikum reagierte öfter mit Raunen auf diese beeindruckenden Würfe.
Es war eine Freude, ihn bei seinen sorgfältigen Vorbereitungen zu beobachten: Sein aufmerksames Abschreiten des Geländes, die Festlegung des Données, das sorgfältige Schließen des – nicht immer vorhandenen – Abdrucks einer zuvor gespielten Kugel setzen Maßstäbe. Seine Routinen sind eingeübt.
All das ist nicht nur Ausdruck eines überragenden Spielverständnisses. Der technische Anspruch seiner Würfe resultiert ebenso wie deren Genauigkeit in einer enorm stabilen Routine. Dazu gehört bei Rizzi auch das reflexhafte und immer wiederkehrende Berühren seines rechten Fußes mit der rechten Hand – was immer der Grund dafür sein mag.
Was für ein außergewöhnlicher Spieler!8
Alessio Cocciolo
G erade mal so schaffte es das erste italienische Team im Mixte mit Sara Ferrara und dem ohne Zweifel als Starspieler zu bezeichnenden Alessio Cocciolo in die Finalrunde. Sie belegten in der Vorrunde den 14. Platz. Die zweite Mannschaft kam nicht über einen enttäuschenden 25. Platz hinaus
Vielleicht was es für Cocciolo und Ferrara sogar von Vorteil, die erste Partie der Vorrunde gegen Luxemburg verloren zu haben? Danach ging es gegen drei Gegner (England, Senegal und Palau), die sich allesamt nicht für die Achtelfinals qualifizieren konnten – und diese drei Siege reichten den Azzuri für die Finalrunde.
Dass dort mit Belgien (Jessica Meskens / Logan Baton) ein spielstarkes Team auf die ItalienerInnen wartete, hatte zuvor das deutsche Mixte (Gina Müller / André Skiba) beim 6 zu 13 erfahren müssen. Belgien gewann das Achtelfinale gegen das erste italienische Mixte zu 1.
Nun hatte Cocciolo das Privileg, im Männer-Doublette mit Rizzi anzutreten. Dort schaffte er es bis ins Halbfinale, das gegen Thailand verloren ging (zu 4). Die Italiener sind ein seit Jahren eingespieltes Team – und ich erinnere mich an manche übertragene Partie, in der die beiden überragende Leistungen ablieferten.
Was ich in diesem Turnier sah, war von Cocciolo allerdings nicht sein bestes Niveau. Öfter bereute ich es, in den 1990er-Jahren meine italienischen Sprachkurse nicht fortgesetzt zu haben, wenn Rizzi nach verlegten Kugeln seines Partners „gefühlt“ lospolterte.
Die beiden haben wohl ein besonderes Verhältnis – das ich allerdings als freundschaftlich bezeichnen würde, wenn ich Cocciolos Interesse an den Finalspielen seines Partners im Tête-à-tête zugrunde lege. Seine emotionale Anteilnahme am Spielfeldrand war sehr schön anzusehen (ein Foto dazu gibt’s in der Zugabe).
Cocciolo hatte in Rom übrigens keine Chance, sich mit seinen Palmarès denen von Rizzi anzunähern: Er spielte kein Tête-à-tête und hatte somit nicht die Gelegenheit, den auch ihm fehlenden Weltmeistertitel in dieser Disziplin zu erringen.
Da auch seine Leistung in Rom nicht überragend war, reichte es nur zum Achtungserfolg (Halbfinale) im Doublette mit Rizzi – was den Ansprüchen keines der beiden entsprechen dürfte.9
Maryse Bergeron
Das Frauen Doublette […] konnte […] einen bemerkenswerten Achtungssieg gegen Kanada mit der international renommierten Spielerin Maryse Bergeron sichern und ihr Potenzial zeigen“, trötete Verbandspräsident Dörhöfer im Nachgang des Turniers auf der DPV Website.10
Wenn dieser „Achtungssieg“ des deutschen Damen-Doublettes – das sich nach den beiden vorher kassierten Niederlagen nicht mehr für die Endrunde qualifizieren konnten – so viel Freude bereitete, warum war dann die Miene der Bundestrainerin Lara Koch (nicht nur) während dieser Partie teils finsterer als der Himmel eines mitternächtlichen Sturmtiefs über dem Nordkap im Winter?
Die Einschätzung der Spielstärke Maryse Bergerons durch unseren obersten Boulisten ist zweifelhafter Natur, um den Begriff „schlechter Witz“ zu vermeiden. In Maryses Karriere gab es bemerkenswerte Erfolge – in Rom spielte sie aber kaum mittelmäßig.
Nun macht es sich natürlich besser, wenn das eigene Team gegen Hochkaräter verliert oder gar gewinnt, als wenn es gegen alkoholisierte Außenseiter schwächelt. Da liegt es auf der Hand, dass gegnerische Teams lieber per se hochgejubelt werden, als ihr wahres Potential ehrlich einzustufen.
Es passt also zur Geschichte der Selbstbeweihräucherung des DPV, wenn Maryse Bergeron von Dörhöfer an einer ehemals zweifellos vorhandenen Leistungsstärke gemessen wurde. Das ist aber so fragwürdig, als wenn ich mich rühmen würde, im Jahr 1988 einmal gegen französische Spitzenspieler gewonnen zu haben. Die beiden waren bestenfalls ehemalige Spitzenspieler und damals schon so alt, dass sie sich gegen zwei ambitionierte Anfänger mehr als schwer taten.11
Wer Maryse in Rom aufmerksam beobachtete, musste erkennen, dass sie schwer mit ihrer Kondition zu kämpfen hatte. Es gelang ihr kaum einmal ein Schuss. Im Spiel gegen die deutschen Damen waren vier von vier Schüssen daneben, zwei davon richtig schlecht. Wegen „Herauskippens“ aus dem Kreis konnte ich alleine in den von mir beobachteten Aufnahmen im Laufe des Turniers eine (eher mitleidige) Ermahnung und eine gelbe Karte ausmachen, die ihr verpasst wurden.
In einem Gespräch, das ich mit der Kanadierin nach ihrem Ausscheiden in einem zähen Achtelfinale des Tête-à-tête gegen die Algerierin Boualem Zebaier (10 zu 13) führen konnte, strotzte sie nicht vor Selbstvertrauen – wenngleich sie sich als eine der besten Spielerinnen ihres Landes bezeichnete. Nach 49 Meistertiteln in Kanada darf sie das.12
In Rom spielte sie wenig meisterlich. Maryse war offensichtlich nicht fit. Warum sie in dieser Hitze so dick bekleidet war, habe ich nicht herausbekommen.
Ihre außergewöhnliche Schusshaltung war in jedem Fall ein Hingucker. Ihr extrem langsames, ja, zähes Spiel eher nicht.
Zugabe
Im Pétanque habe ich eine echte Zugabe in einem Spiel nur einmal und vor langer Zeit erlebt.13 Hier und jetzt bei Franks Pétanque werden im Rahmen der Zugabe lediglich noch ein paar Bilder und ergänzende Gedanken zu den obigen ProtagonistInnen angefügt.
Sofien Ben Brahim
Der Tunesier war ja bereits oben zu sehen – dort in der Konzentrationsphase vor dem Schuss. Hier holt er nun aus, um mit seinem Wurfarm sehr gerade durchzuschwingen. Welch ein Gegensatz zu Rocher! Auffällig, wie filigran Sofien die Kugel in seiner linken Hand hält.
Dylan Rocher
Was hier noch recht ruhig aussieht, ist eben nur eine Momentaufnahme aus seinem komplexen Schussablauf. Der Ruhepol seiner Augen ist um so faszinierender, wenn man die drehenden, ja fast schlenkernden Bewegungen drumherum sieht.
Nochmal Rocher
Dieser hier war gültig, aber nicht jeder seiner Schüsse kam regelgerecht: Ab und zu konnte er seine mächtigen Körperverdrehungen nicht unter Kontrolle halten – und hob den rechten Fuß zu früh. Die SchiedsrichterInnen waren mit der Kontrolle der Minutenregel offenbar ausgelastet und monierten nichts.
Diego Rizzi
Hatte der Italiener in den letzten Jahren mit seinem hinteren „Übertreten“ für viel Gesprächsstoff gesorgt, so stand er in Rom (und auch schon einige Zeit davor) meist brav im Kreis. Auch das führte zu Diskussionen. Klar, denn offizielle Informationen zur Regelauslegung gab’s seitens der Verbände natürlich nicht.
Alessio Cocciolo
Sein angespanntes Gesicht bei der engen Halbfinalpartie von Rizzi gegen Kees Koogje zeigte seine intensive Anteilnahme. Rechts der italienische Coach Riccardo Capaccioni, dem man die Spannung hier zwar ansieht, der aber trotzdem stets ruhig und gelassen wirkte. So hilft man SpielerInnen, Frau Koch.
Maryse Bergeron
Ihr technisches Spiel einzuordnen war schwierig: Zum einen war ihre Aufmerksamkeit auf eine saubere Handhaltung gut zu erkennen, zum anderen aber eben auch ein merkwürdiges Herumfuchteln im Handgelenk bei der Ausholbewegung zum Schuss. Erfolgreich war Letzteres nicht.
Bundestrainerin Lara Koch
Es war nicht nur in der Partie der Damen gegen Kanada so, dass sie einen eher ungnädigen Eindruck machte: Hier Lara Kochs Reaktion auf das Spiel Gina Müllers. Ob das hilfreich war? Das Damen-Triplette von Santa Susanna im Jahr 2024 lässt grüßen.
- Bericht zur Pétanque-WM in Rom 2025: ExotInnen und Politik, Frank Jermann, 1. November 2025 ↩
- Mohamed Bougriba war bei Weltmeisterschaften im Tête-à-tête Finalist (2023) und Halbfinalist (2017). Im Doublette gelang ihm eine Halbfinalteilnahme (2022), im Triplette waren es zwei (2018 und 2024). 2025 gewann er die niedriger einzustufenden World Games im chinesischen Chengdu im Doublette Mixte (mit Mouna Beji), allerdings gegen das thailändische Spitzen-Mixte mit Ratchata Khamdee und Nantawan Fueangsanit. Quellen: Dictionnaire de la Pétanque 2025, Pierre Fieux, Les Presses du Midi, Toulon; The World Games online: https://www.theworldgames.org ↩
- Wie sagt man so schön neublöd: Tunesien ging hier „all in“. Sie schossen viel, lochten aber auch zu viel. Das war gegen einen stark spielenden Rizzi (ohne Fehlkugel, davon zehn Treffer, die meist noch selbst den Punkt machten und acht exzellent gelegte Kugeln) sowie einem anfangs schwächelnden, dann aber weitgehend sehr gut spielenden Cocciolo deutlich zu wenig. Nach schlechten Schüssen von Bourgiba tauschten die Tunesier die Positionen, später ging’s ohne ersichtlichen Grund nochmal zurück zur Anfangsformation. Das machte ihr Spiel nicht gerade konstanter, es wirkte etwas wild. Vielleicht war es ein Fehler, gegen einen makellosen Rizzi zu nah an das Cochonnet zu legen? Das Spiel auf Youtube ↩
- Sofien Ben Brahim gelang bei der Weltmeisterschaft im Doublette eine Halbfinalteilnahme (2022), im Triplette waren es zwei (2018 und 2024). Quelle: Fieux, ebd.; Schreibweise des Spielernamens bei Fieux: Sofien Benbrahim ↩
- Audrey Bandieras Palmares sind umfangreich. Hier die Ergebnisse bei Teilnahmen an Weltmeisterschaften: Tête-à-tête-Halbfinalistin (2017), Doublette-Finalistin (2023 und 2025) sowie Halbfinalistin (2017), Finalistin im Doublettte Mixte (2023 und 2025 jeweils mit Dylan Rocher), Finalistin im Damen-Triplette (2009) sowie zehn Jahre später Halbfinalistin (2019); Quelle: Fieux, ebd. ↩
- In Pierre Fieux’ Dictionnaire de la Pétanque 2025 nehmen Rochers Palmares volle zwei Seiten ein. Da kommen weder die beiden Philippes – also Quintais und Suchaud – noch Marco Foyot oder Christian Fazzino heran. Allenfalls Henry Lacroix. Aber auch der nicht ganz. Das liegt zum einen an dem frühen Kontakt Rochers zum Pétanque in einer vorbelasteten Familie, aber auch an den immer mehr Wettbewerben, die sich die Verbände ausdenken. Die hier im Mittelpunkt stehenden fünf Weltmeisterschaften in Disziplinen, die zu Zeiten eines Bébert de Cagnes oder gar Alphonse Baldi nicht existierten, sind ein gutes Beispiel der Inflation an internationalen Wettbewerben, die wir erleben. Dass die Verbände – sprich: die FunktionärInnen – dabei nicht unbedingt im Sinne der SpielerInnen handeln, zeigte die Veranstaltung in Rom mehr als deutlich. Das Versagen des Weltverbands F.I.P.J.P. als selbsternanntes Kontrollorgan des veranstaltenden Nationalverbands wurde bereits im ersten Artikel zur WM 2025 thematisiert. Es liegt auf der Hand, dass die SpielerInnen eine eigene, unabhängige Interessenvertretung benötigen, wie es sie in diversen anderen Sportarten bereits gibt – auf nationaler und internationaler Ebene. Es ist nicht gewagt vorherzusagen, dass so etwas auch im Pétanque irgendwann kommen wird. Je früher desto besser. Dass ich das noch erleben werde, ist in Anbetracht des Zustands der Pétanque-Szene allerdings zweifelhaft. ↩
- Halbfinale Doublette Mixte Frankreich – Thailand auf Youtube ↩
- Diego Rizzis Erfolge alleine bei Weltmeisterschaften sind beeindruckend. Er war bereits Weltmeister im Triplette (2024) und im Doublette (2022). Was ihm bis Rom 2025 fehlte, war der WM-Titel im Tête-à-tête. Nun, das Häkchen kann gesetzt werden. Seine diversen anderen Erfolge vernachlässige ich an dieser Stelle – Rizzi ist Legende. Quelle: Fieux, ebd. ↩
- Alessio Cocciolo stand bei Doublette-Weltmeisterschaften zweimal im Finale. 2019 unterlag er Lacroix/Suchaud, 2023 reichte es zum Sieg gegen die Schweizer Molinas/Molinas. Bereits 2012 war er bei der Triplette-Weltmeisterschaft Halbfinalist. 2024 erreichte er dann im denkwürdigen Finale von Dijon den Titel. Übrigens: alle zusammen mit Rizzi. Quelle: Fieux, ebd. ↩
- Michael Dörhöfer verfasste mal wieder eine seiner erwartbaren Selbstbeweihräucherungen: Die WM in Rom war selbstverständlich ein Erfolg (siehe: Feedback des Präsidenten zur Fünffach-Weltmeisterschaft in Rom, Michael Dörhöfer, Artikel vom 29. September 2025; zuletzt abgerufen am 25. Mai 2026). Unter anderem schreibt der Sonnenkönig dort: „Unser Team hat sich tadellos präsentiert.“ Nun, nach dem besoffenen Bundestrainer auf einer Jugend- und Espoir-EM sowie dem international beachteten Eklat um Bundestrainerin Lara Koch bei der EM 2024 in Santa Susanna bin ich geneigt darauf zu antworten: „Immerhin!“ Niemand war betrunken! Es ist allerdings zu vermuten, dass Dörhöfer nicht bei der anwesenden niederländischen Spielerin Josefien Koogje nachgefragt hat, die über das Fehlverhalten der deutschen Bundestrainerin im September 2024 auf Facebook postete: „I saw it happen at the European Championships in Martigny and, then to an even worse extent, at the European Championships in Santa Susanna. I watched the coach’s performance with great amazement.“ Amazement, also Erstaunen – es ist bewundernswert, wie nett Josefien formulieren kann. ↩
- Das Ereignis fand in Altona auf dem Platz der Republik statt, zu dem die Stadt Hamburg im Rahmen der dreißigjährigen Städtepartnerschaft mit Marseille vier Boulisten aus der französischen Hafenstadt eingeladen hatte. Wer damals gegen uns spielte, ist für mich nicht mehr herauszufinden. Wurde damals nicht sogar erzählt, dass es sich um ehemalige Weltmeister handelte? Ich weiß es nicht mehr. Vielleicht hatte man aber auch nur den Onkel und einen entfernten Cousin des ebenfalls anwesenden Émile Lovino (mehr zu ihm im Abschnitt „Zugabe“) gratis mit nach Hamburg fliegen lassen, die normalerweise ihre Freizeitkugeln aus dem Supermarché zu einigen Gläsern Pastis kullerten? Ich erinnere mich auf jeden Fall ganz sicher, wie aufgeregt ich war – und wie schlecht ich spielte. Mein Spielpartner Andreas war jedoch bereits damals ein ausgezeichneter Leger und gewann diese Partie für uns. Mit 13 zu 12? ↩
- Quelle: Fieux, ebd.; Zudem listet er Erfolge bei Weltmeisterschaften im Triplette (Halbfinale, 2013), im Doublette (Halbfinale, 2019) und im Tir de Précision (Silbermedaille 2004 und 2011, Bronzemedaille 2002 und 2009) auf. Die großen Zeiten einer Maryse Bergeron lagen also deutlich zurück. ↩
- Diese Zugabe gab’s bei dem bereits in einer anderen Fußnote erwähnten Turnier im Rahmen der Städtepartnerschaft zwischen Hamburg und Marseille im Jahr 1988. Auf dem Platz der Republik in Altona fand das Endspiel zwischen Daniel Perret / Klaus Mohr gegen die Marseiller Spitzen-Equipe aus der Legende Émile Lovino – genannt Milou – und seinem mir nicht mehr erinnerlichen Partner statt. Beim Stand von 13 zu 1 forderte das doch recht zahlreiche Publikum, dass bis 15 weitergespielt werden möge. Das war der damals noch existente Modus des WM-Endspiels (zur Erinnerung: Es gab einmal im Jahr eine Weltmeisterschaft im Triplette. Das war’s. Heute ist das undenkbar, Weltmeisterschaften in allen möglichen Varianten fluten den Terminkalender – die Zahl von 575 Spielen in Rom sollte allen Verantwortlichen zu denken geben. Das Gegenteil scheint der Fall: Unseriösen Gerüchten zufolge plant man gerade eine WM für Männer mit Übergewicht.). Die Marseillaise war damals sicher schwieriger zu gewinnen als eine WM. Apropos Marseille: Pierre Fieux schreibt, dass viele Marseillais Lovino für den besten Spieler halten, den die Stadt kannte. Gewonnen hat er die Marseillaise nie. Nach zwei Halbfinalteilnahmen in den Jahren 1976 und 1989 erreichte er 1995 nochmal das Finale. Lovino verstarb 2007. ↩














