Es war recht offensichtlich ein Wespennest. Als ich eine Frage mit den Worten „Vorfall eines Bundestrainers“ einleitete, unterbrach mich Michael Dörhöfer vehement: „Stopp, stopp, stopp, stopp, stopp!“ Vorfälle mit Bundestrainern sind im DPV offenbar so tabu, dass bereits eine locker eingeleitete Frage zu einem fünffachen Stopp führt.
Über den Fall, den ich ansprechen wollte, hatte ich im Laufe der Zeit immer wieder von Beteiligten und Verbandskennern Details gehört. Es ging dabei um einen Bundestrainer, der während einer Jugend- und Espoirs-EM sturzbetrunken und hilflos nach Mitternacht in einem Park aus einem Gebüsch eingesammelt werden musste. Michael Dörhöfer soll nach Berichten voneinander unabhängiger Quellen bei der Rückholaktion des Trainers beteiligt gewesen sein.
Weiter geht die Erzählung, dass der besoffene, äh, betroffene Trainer am nächsten Morgen nicht in der Lage war, das angesetzte Training durchzuführen. Der Präsident soll den Part übernommen haben. Auch das wurde durch voneinander unabhängigen Quellen bestätigt.
Der Vorfall blieb für den Trainer ohne Konsequenzen für seinen Job – und genau das war der Grund, warum ich diese Traineraffaire ansprechen wollte. Da ist ein Trainer, der mit Jugendlichen und Espoirs zu einer Europameisterschaft fährt, und komplett die Kontrolle verliert.
Vergleicht man die Tragweite dieses Skandals, dann ist es unverständlich, dass der durstige Trainer beim DPV weitermachen durfte. Noch unverständlicher ist es, wie der Verband bei Anlegung eines solchen Maßstabes mit einem anderen ehrenamtlich Tätigen – ich meine hier natürlich Hein Fuhrmann – umgegangen ist.
Hein Fuhrmann wurde vom DPV ausgebootet – wegen was eigentlich? Auf jeden Fall wegen etwas, das nicht mal im Ansatz ein solcher Skandal ist wie der Trainer, der die Kontrolle verloren hatte.
Zu dieser Diskrepanz hätte ich gerne eine Stellungnahme des Präsidenten gehört. Zu mehr als einer Gesprächsverweigerung reichte es allerdings nicht. Ich finde, das spricht eine deutliche Sprache.
Das Interview
Das Interview steht als Video und in Textform zur Verfügung. Beides ist auf der Hauptseite zum Dörhöfer-Interview zu finden:
Nachgelegt
Der eine oder andere im Interview angesprochene Punkt ist es Wert, separat betrachtet zu werden. Schauen wir also genauer hin:

Der Präsident
Es sollte nicht um ihn gehen. Michael Dörhöfer erzählte trotzdem über sich. Aufschlußreich!

Die Haftung
Grund zur Sorge? Der Präsident sieht sein Privatverögen durch seine Verbandsarbeit in Gefahr.

Hein Fuhrmann
Wurde er nun gefeuert oder nicht? Der DPV hat dazu einen zweifelhaften Standpunkt.

Müll!
Was ist dran am Vorwurf, dass die Arbeit Ehrenamtlicher als „Müll“ bezeichnet wurde?

Wird fortgesetzt
Die Nachbetrachtungen werden fortgesetzt: Es gibt weitere Punkte, die zu beleuchten sind.

