Die Geschichte des Pétanque ist in unserem Land relativ kurz. Verglichen mit der französischen fehlen uns mindestens die ersten 50 Jahre. Was in der Provence nach der Erzählung Ernest Pitiots über Jules Hugues, genannt „Le Noir“, im Jahr 1910 in La Ciotat begann, hat bei uns kein auch nur annähernd so frühes Gegenstück. Pétanque war bei uns erst in den 1960er Jahren sichtbar.1
Allerdings sind Spuren aus den frühen Zeiten der 60er und 70er Raritäten. Mit fortschreitender Zeit geraten SpielerInnen und Umstände dieser frühen deutschen BoulistInnen-Szene heute immer mehr in Vergessenheit.
Ein Zeuge der damaligen Zeit ist Michael Hornickel. Seine boulistische Geschichte beginnt in den sechziger Jahren in Frankreich. Daraus ergaben sich bemerkenswerte Erfolge: Er war 1981 nicht nur der erste Deutsche Meister im Doublette, im selben Jahr gelang ihm auch die Meisterschaft im Triplette. Sein Einfluss auf das deutsche Pétanque ist nicht nur deshalb hoch einzuschätzen.
Neben spielerischen Erfolgen ist das von ihm verfasste erste deutschsprachige Pétanque-Buch Jeux de Boules2 zu erwähnen. Es wird immer noch verkauft und hat bei uns bis heute sichtbare Spuren hinterlassen.
Sehr zu meiner Freude hatte ich im Herbst 2024 die Gelegenheit, in der Provence mit Michael über Vergangenes und Aktuelles zu sprechen.
Erster Teil:
Sommer in der Provence, Turniere in Frankreich und Deutsche Meisterschaften
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Sommerferien in der ProvenceKindheitserinnerungen
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Der Bouleplatz im DorfEin sozialer Aspekt
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Berliner ZeitenDie 70er und Meisterschaften
Frank: Ich habe 1985 angefangen, Boule zu spielen. In unseren Vorgesprächen hast du erzählt, dass du zu dem Zeitpunkt eigentlich schon wieder aufgehört hattest. Wann hast du angefangen?
Michael: Ich war als kleiner Bub ab meinem zehnten oder elften Lebensjahr jeden Sommer in Urlaub in Südfrankreich und irgendwann kommt man dann auch auf den Bouleplatz. Der war ja damals in jedem Dorf das Zentrum. Der Dorfplatz war der Bouleplatz und es war auch ein bisschen der Mittelpunkt des sozialen Lebens in den Dörfern.
Wir hatten so eine kleine Hütte am Hang zum Meer runter, das nannte man ein Cabanon. Das sind kleine Hütten, entstanden aus der Landwirtschaft. Ursprünglich wurden sie genutzt um Schutz zu finden, wenn man auf dem Feld ist und es ein Gewitter gibt und um seine Gerätschaften unterzustellen. Unser Cabanon stand in einer kleinen Siedlung, fast ein bisschen wie eine Schrebergartensiedlung. Im Zentrum dieser Siedlung war auch ein kleiner Bouleplatz, gerade so über dem Strand, mit zwei Kneipen, die trotz des kleinen Ortes damals ganz gut funktionierten.
Es war der Treffpunkt der Leute. Man hatte keinen Fernseher daheim. Das war 1963, 64, in dem Dreh. Und da gab es dann eine alte Männerclique, die traf sich jeden Tag um 17 Uhr unterm Baum am Bouleplatz. Sie haben sich einen Pastis kommen lassen, später, als sie ein bisschen älter wurden, war es dann eine Limonade. Auch gelb: Orangina. Es spielten immer die gleichen Leute Boule. Der Platz war fast wie ein Amphitheater – es waren drei Stufen, 20 Meter lang, da konnte ich mich hinsetzen und zugucken. Und ich habe davon geträumt, auch mal mitspielen zu dürfen.
Eines Tages hat einer der Spieler gefehlt. Ich saß wieder da und bin etwas nervös auf meinen Platz rumgerückt, denn ich hoffte, dass die mich mal fragen. Und tatsächlich, sie haben mich gefragt, ob ich mitspielen möchte. Naja, die haben eigentlich nicht gefragt, sondern gesagt: „Eh, petit, viens!“ „Also, Kleiner, komm!“
Ich hatte mittlerweile schon mehrere Jahre zugeguckt, wie die da spielen. Es ging immer durch die gleiche Rinne auf dem gleichen Platz. Ich wusste ganz genau, wo ich aufsetzen musste, erst links, damit die Kugel in der Rinne nach rechts läuft und dann wieder gerade und so weiter. Das habe ich dann als unbedarfter Junge gleich perfekt hingekriegt. Und die waren ganz baff.
Na ja, schon in der zweiten oder dritten Aufnahme kam dann ihr fehlender sechster Mann und ich musste für ihn den Platz räumen. Sie waren, glaube ich, ganz froh, dass sie wieder unter sich waren.
Ihr wart dort auf Urlaub, sagtest du?
Wir waren da immer auf Urlaub.
Drei oder sechs Wochen?
Jeden Sommer fünf Wochen. Wir hatten ja sechs Wochen Ferien. Also mindestens fünf davon war ich dort. Das war ganz toll für uns Kinder, denn da gab es keine Autos. Man hat eigentlich am ersten Urlaubstag eine Badehose angezogen und sonst nichts. Am letzten Urlaubstag zum ersten Mal wieder Schuhe. Das ist ganz witzig, mal fünf Wochen keine Schuhe zu tragen und dann Schuhe anzuziehen. Das fühlt sich ganz, ganz seltsam an. Aber es war eine schöne Zeit für uns Kinder, denn wir konnten rumtollen.
Das war 20 Jahre nach dem Krieg. Da wurde man als Deutscher noch ein bisschen – ja wie soll ich das sagen – argwöhnisch beäugt.
Auch als Kind?
Mich hat man das nicht spüren lassen, aber ich kannte ja auch als Kind unsere Vergangenheit und ich fühlte mich da ein bisschen unwohl, weil ich mir dachte, dass die Leute sich auch unwohl fühlen, wenn sie einem Deutschen begegnen. Es war sogar so, dass sie sich bemüht aufgeschlossen und interessiert präsentierten. Aber trotzdem spürte man, ein bisschen geniert war eigentlich jeder. Und so ging es mir auch.
Noch mal zurück zu der Szene, als du das erste Mal Kugeln geworfen hast. Da hast du ja nicht das Boulespielen gelernt. Das intensivere Spiel fing später an, aber wann?
Ja, vielleicht zehn Jahre später, als ich so Anfang, Mitte 20 war. Das war dann Mitte der Siebziger Jahre, ich weiß es nicht mehr genau.
Und wo war das?
Das war wieder in der Nähe unseres Cabanons. Das hatten wir leider durch einen Erdrutsch verloren. Es durfte auch nicht wieder aufgebaut werden. Meine Eltern hatten sich im Ort Le Pradet – das ist bei Toulon – ein kleines Haus gebaut und dort haben wir dann unsere Ferien verbracht. Irgendwann bin ich dort mit Freunden auf den Bouleplatz gegangen und habe auch mal ein Turnier gespielt. Natürlich haben wir unser erstes Spiel gnadenlos verloren – gegen, wie ich später erfuhr, gar nicht mal so gute Spieler: Es war der Wirt der Kneipe und wir haben auf diese Weise schnell Anschluss gefunden.
Aber du bist schon vorher auf dem Platz gewesen und hast mal Kugeln geworfen oder war Deine erste Erfahrung dieses Turnier?
Wir haben unter uns schon mal ein paar Kugeln geworfen, vielleicht ein, zwei Jahre vorher, im Sommer mal – nur ab und zu. Aber irgendwann hatte ich dann doch angebissen und wollte das regelmäßiger machen. Wir haben dann in der zweiten Hälfte der 70er Jahre zwei Monate im Sommer Boule gespielt.
In Frankreich?
In Frankreich, in der Provence und wir sind über die Dörfer getingelt, von Turnier zu Turnier.
Was macht man zwei Monate als junger Mensch in Südfrankreich, wenn man nicht Boule spielt?
Da muss ich wirklich mal in meinem Gedächtnis kramen. [Denkt nach.] Ich habe mal studiert, zwei Jahre in Aix-en-Provence. Und ich habe natürlich Ferien gemacht. Als Student hatte man halt zwei Monate Semesterferien.
Du hast vorhin den Platz deines ersten Kontakts mit dem Boulespiel beschrieben: „fast wie ein Amphitheater“. Wir haben uns heute Morgen in der Bar des Sports in Sablet getroffen. Der Parkplatz davor ist zugeteert, die Autos parken ihn zu und es ist nicht mehr charmant. Wenn ich durch Südfrankreich fahre, sehe ich das fast immer. Es gibt zwei, drei Orte, an die ich mich erinnern könnte, in denen es noch einen klassischen Dorf-Bouleplatz mit einer Bar gibt. Wie ist deine Erfahrung heute im Vergleich zu der Geschichte, die du früher erlebt hast? Findet man solche Plätze noch?
Ganz selten. Ich weiß nicht, wann es angefangen hat, aber irgendwann kamen die Leute darauf, in den Dörfern die Dorfplätze zu zu betonieren, um Parkplätze zu schaffen. Das fing wahrscheinlich damit an, dass sich Anwohner beschwert haben, über den Krach und den Staub, den Boulespieler machen. Aber bis in die 60er, 70er Jahre war das Boulespiel Teil des öffentlichen, dörflichen Lebens. Es war eine ganz wichtige soziale Komponente, weil man sich wirklich in vielen Dörfern nach Feierabend – aber noch vor dem Abendessen – zu einem Boulespiel getroffen hat. Vielleicht wurde noch ein Aperitif dazu genommen. Vielleicht nicht in jedem Dorf, aber ich kenne viele, in denen das so war.
Nur ganz wenige hatten damals einen Fernseher. Man saß ohnehin vor seiner Tür auf der Straße und hat mit den Nachbarn gequatscht. Das ist inzwischen alles verloren gegangen. Die Bouleplätze sind jetzt ausgelagert worden und die Boulespieler wurden quasi ghettoisiert. Die soziale Komponente ist ein bisschen verloren gegangen, weil das ganze Dorf betroffen war, als der Bouleplatz noch im Zentrum war. Heute ist es eigentlich nur noch eine Clique, die irgendwo abseits auf einem abgegrenzten Gelände ihrem Lieblingsspiel nachgeht.
Früher war in den Dörfern die wichtigste Person immer noch der Bürgermeister. Dann kam entweder der Dorflehrer oder der Pfarrer und an vierter Stelle spätestens kam der Dorf-Crack im Pétanque. Der war jemand im Dorf. Der war ein Monsieur.
Kannst du dich erinnern, ob es damals Vereinsstrukturen gab oder ob man einfach so spielte?
Man hatte schon Vereine gegründet. Irgendwann aus versicherungstechnischen Gründen. Aber so etwas wie Ligabetrieb, ich weiß nicht, wann das eingeführt wurde. Damals in den 70er Jahren kann ich mich nicht entsinnen, dass es so was gab. Das Boulespiel war eine Freizeitbeschäftigung und es gab natürlich die Turniere, auf denen man sich mit den Boule-Cracks aus den Nachbardörfern gemessen hat, was auch immer eine spannende Komponente war.
Ja, das glaube ich.
Da wurde man schon beäugt. Wenn man dann den Dorf-Crack rausgeschmissen hat beim Turnier, dann wurde man von den Zuschauern beobachtet und weiter verfolgt. Das hat dann schon immer eine gewisse Bedeutung gehabt. Fast so ein bisschen wie Revolverhelden, so habe ich mir das manchmal vorgestellt.
Man respektierte sich, aber man schmiss sich dann auch raus. Jedes Turnier war übrigens K.-o.-System. Es gab gar nichts anderes früher in den 60er, 70er Jahren. Da gab es kein Geplänkel mit Gruppenspielen oder, ich weiß nicht, wie das heute heißt – Schweizer System – wo du dann fünf Spiele machst und vielleicht nach dem zweiten verlorenen Spiel merkst, dass du schon keine Lust mehr hast, aber noch drei andere machen musst. Das war damals nicht so.
Nun war es wahrscheinlich auch einfacher, weil die Leute nicht weit gefahren sind. Sie kamen vermutlich überwiegend aus dem Dorf oder der Region. Wenn man ein Spiel verloren hatte, dann ging man um die Ecke nach Hause oder trank wie sonst auch einen Pastis. Im K.-o.-Modus auszuscheiden war so nicht furchtbar tragisch.
Auf diesen Dorfturnieren hat man den Verlierer zu einem Erfrischungsgetränk eingeladen, was meistens ein Pastis war. Nicht immer, aber oft. Es gab extra ganz kleine Gläser, die nannten die Baby, damit man nicht so viel Alkohol trinkt. Denn falls du ins Finale kommst, dann musst du ja schon fünf, sechs Pastis trinken, bis du soweit bist.
Irgendwann hast Du dann deine Leidenschaft, das Pétanque, in Berlin gesucht.
Ja, ich hatte einen Studienplatz in Berlin bekommen. Anfangs kannte ich dort noch niemanden. In der zweiten Woche sah ich in einer Stadtzeitung eine Anzeige, dass ein Bouleturnier vor der Kastanie stattfinden sollte. Die Kastanie ist eine Kneipe in Charlottenburg. Da ich sonst niemanden kannte, habe ich mir einfach meinen Nachbarn geschnappt, habe dem drei Boules in die Hand gedrückt und dann sind wir zu diesem Bouleturnier gefahren.
Wir waren morgens natürlich pünktlich zur Einschreibung da – und wir waren die ersten. Die hatten das schon so ein wenig drauf wie die Franzosen, man kam halt ein bisschen später. So haben wir dann Anschluss bekommen. Das war ein überschaubarer Kreis. Ich weiß es nicht mehr genau, da waren vielleicht 30, 40 Doublettes, wenn überhaupt.
Am Anfang war das natürlich noch ein bunt gemischter Haufen, nicht alle haben das Spiel so richtig verstanden oder haben es anders gesehen. Wenn man Kugeln des Gegners weg schoss, galt man als verbissener Boulespieler.
Es gab in Berlin damals den französischen Sektor und in diesem Sektor, in Tegel, war ein Bouleclub. Das war eine kleine Parkanlage mit Kneipe und allem drum und dran, sehr komfortabel. Und dort sind dann diejenigen, die ambitionierter Boule spielen wollten, irgendwann mal hin. Wir wurden da, wenn auch vorsichtig, nach und nach willkommen geheißen. Irgendwann haben die sich sogar gefreut, dass wir da waren. Mit den Franzosen zu spielen war natürlich ein ganz anderes Niveau.
Die haben merklich besser gespielt?
Ja natürlich, besser als vor der Kastanie auf der Schlossstraße. Den Club gibt es übrigens heute noch. Er gehört natürlich nicht mehr Franzosen, sondern ist jetzt ein Berliner Club.
Wenn du vor der Kastanie die ersten Turniere gespielt hast und das in der zweiten Hälfte der 70er Jahre war, dann war ja gar nicht viel Zeit, bis du deine erste Deutsche Meisterschaft gewonnen hast.
Meine erste Meisterschaft habe ich 1981 gewonnen, glaube ich. Wir hatten erfahren, dass es eine Deutsche Meisterschaft Triplette gab. 1977 oder 78 war das. Wir haben Kontakt aufgenommen mit den westdeutschen Clubs. Die gab es in Bonn, Freiburg, in Baden gab es mehrere an der französischen Grenze. Und natürlich im Saarland. Außerdem noch Bad Godesberg. Das waren die ersten Hochburgen, aber es gab noch keinen Verband.
Ab 81 gab es dann auch eine Doublette-Meisterschaft. Da sind wir hin und hatten das Glück die erste Deutsche Meisterschaft im Doublette zu gewinnen.
Weißt du noch wo das war?
In Rastatt.
Weite Fahrt!
Das war so für uns Berliner. Wir kamen ziemlich übernächtigt an. Wir sind samstags morgens losgefahren und torkelten dann müde um zwei Uhr auf den Platz und mussten spielen. Besonders kurios: Im ersten Spiel sind wir gegen Berliner gekommen, also gegen Freunde. Da wollte keiner wirklich gewinnen. Auch im zweiten Spiel hatten wir eigentlich keine Lust mehr. Na ja, wegen der Müdigkeit konnten wir einfach nicht.
Wir haben 12 zu 0 zurückgelegen und haben es dann noch 13 zu 12 gewonnen. Da waren wir dann wach und haben bis zum Finale insgesamt keine 13 Punkte mehr abgegeben. Auch das Finale haben wir ziemlich hoch gewonnen.
Weißt du noch, wie viele Mannschaften teilgenommen haben?
Es war nicht so groß. Bei den Doublettes vielleicht 90, bei den Triplettes weniger.
Und wurde gleich K. o. gespielt?
Nein, da gab es schon Gruppenspiele. Man konnte sich in der Gruppe eine Niederlage erlauben. Erst ab da ging es dann mit Quadrage und K. o. weiter.
Zum Glück für die weit Angereisten. Also wenn ihr um 2 Uhr in Rastatt angefangen habt zu spielen, wann seid ihr losgefahren in Berlin?
Morgens um 4 Uhr oder so. Vielleicht war es auch 6. Aber wir waren schon ziemlich müde.
Zudem ging’s ja durch die DDR auf der Transitautobahn. Das konnte man ja auch nicht unbedingt zeitlich planen.
Das war damals eben so. Wir haben die Tageszeitung jeden Tag aufmerksam gelesen. Vom Ost-West-Konflikt war man ja als Berliner persönlich betroffen. Wenn es da irgendwelche Reibereien gab, wurde an der Grenze „Dienst nach Vorschrift“ gemacht. Man musste auch mal eine Stunde warten, bis man durchgewunken wurde. Es gab immer eine kleine Unwägbarkeit.
Aber ihr habt es geschafft!
Wir haben es geschafft, uns über den Samstag zu retten. Am nächsten Morgen waren wir ein bisschen fitter.
Am Sonntag seid ihr dann Deutscher Meister geworden. Weißt du noch gegen wen?
Ja, das weiß ich noch. So viele gab es damals ja nicht. Das war ein Team aus Freiburg. Mit Rainer Mülbert, glaube ich, hieß er.
Ja, Mugges.
Und der … [Michael denkt nach und macht eine Handbewegung vom Kinn zur Brust.]
Karsten Köhler! Bei der Handbewegung kann es nur Karsten Köhler mit seinem langen Castro-Bart sein. Das waren die Gegner bei Deiner Doublette-Meisterschaft?
Ja. Im gleichen Jahr gab’s auch noch die Triplette-DM in Saarlouis. Da haben wir es auch geschafft.
Das war erneut eine weite Reise.
Ich glaube, wir sind schon freitags angereist.
Boris Tsuroupa war dein Partner im Doublette und im Triplette. Wer war der Dritte?
Das war der Bruder von Boris, Harry Tsuroupa. Er spielte nicht so oft, aber gut genug.
Ich nehme mal an, dass es die ähnlichen Vertreter im Finale waren.
Das weiß ich heute nicht mehr. Es waren Saarländer, ich glaube sogar drei Brüder.
Brauchtet ihr eine Lizenz?
Doch, die gab es schon. Also, da hatte man sich schon Gedanken drüber gemacht. Vor allen Dingen aus versicherungstechnischen Gründen.
Aber ihr seid dann einfach hingefahren. Keiner wusste, wie viele Mannschaften da sein werden. Jeder wusste allerdings, dass es nicht 200 werden.
Also, man musste sich da nicht vorher anmelden. Das war nicht so wie heute. Das Niveau war natürlich dann auch nicht so wie heute. Ich würde sagen, Deutscher Meister werden in der ersten Hälfte der 80er Jahre war so wie heute Rheinland-Pfalz-Meister zu werden. So ungefähr.
Du hast diese beiden deutschen Meistertitel gewonnen. Und wie ging es danach weiter? Bist du dann noch weiter zu deutschen Meisterschaften gefahren?
Im Jahr drauf, ja. Da sind wir im Doublette auch wieder ins Finale gekommen. Das haben wir aber dann verloren. Da habe ich mit einem Freund gespielt aus Berlin, Alexander Richter. Triplette weiß ich jetzt schon gar nicht mehr. Ich bin schon noch zu einigen deutschen Meisterschaften gefahren. Dann bin ich aber 1984 nach Frankreich gegangen – für drei Jahre.
Hier endet der erste Teil des Interviews mit Michael Hornickel. Ein zweiter Teil wird folgen.
- Der erste deutsche Pétanque-Verein wurde 1963 gegründet. Im Mai 1963 beschlossen Mitglieder der Boules-Spielgemeinschaft in Bad Godesberg die Gründung des 1. Boules Club „Pétanque“ Bad Godesberg e.V.. Details hierzu sind auf der Website des Vereins dokumentiert. ↩
- Hornickel, Michael: Jeux de Boules – Petanque und andere Kugelspiele, Verlag Klaus Guhl, 1980, 120 Seiten. ↩